Skip to main content
News

AG DOK zum 12. RuÄStV

Die Presse­mit­teilung der Arbeits­ge­mein­schaft Dokumen­tarfilm im Wortlaut:

Rundfunk-Staatsvertrag: AG DOK gegen den Ausverkauf der Produzenten-Interessen

 
In der gegen­wär­tigen medien­po­li­ti­schen Diskussion wird zu wenig über die existen­tielle Bedrohung der deutschen Film- und Fernseh­pro­du­zenten gesprochen, die sich durch die Online-Ambitionen von ARD und ZDF weiter verschärft hat.
 
In einem Brief an die  Minis­ter­prä­si­denten der 16 Bundes­länder fordert die „Arbeits­ge­mein­schaft Dokumen­tarfilm“ die zustän­digen Politiker deshalb auf, „angesichts fehlender Regulie­rungs­in­stru­mente und versa­gender Markt­me­cha­nismen“ der vertrag­lichen Knebelung der Produk­ti­ons­wirt­schaft durch die übermäch­tigen Sender entge­gen­zu­wirken. Andern­falls, so fürchtet der Dokumen­tar­film­verband, werde es „einen großen Teil der heute noch existenten Produk­ti­ons­firmen in wenigen Jahren nicht mehr geben.“  In der AG Dokumen­tarfilm haben sich mehr als 850 unabhän­gigen Film- und Fernseh­au­toren-, Regis­seure und – Produ­zenten zusam­men­ge­schlossen. 
 
Die von den Sendern erzwungene Erwei­terung der Produk­tions- und Lizenz­ver­träge um die Internet-Rechte sieht die AG DOK als jüngstes Beispiel einer kaum noch erträg­lichen Selbst­herr­lichkeit öffentlich-recht­licher Fernseh-Sender im Umgang mit freien Produ­zenten. Denn während die Sender zur Abgeltung von Internet-Musik­rechten erheb­liche Summen bereit­ge­stellt haben, zahlen sie den Produ­zenten für die Nutzung von Filmen im Internet nach wie vor keinen Cent. Auch alle früheren Auswei­tungen ihrer Geschäfts­ak­ti­vi­täten vollzogen ARD und ZDF auf Kosten der Produk­ti­ons­wirt­schaft: ob beim Aufbau neuer Satel­liten- und Digital­kanäle oder bei der Vermarktung von Pay-TV und Ausschnitt­rechten – fast immer pressten die Sender den Produ­zenten die notwen­digen Verwer­tungs­rechte zum Nulltarif ab.  
 
Parallel dazu verstärkt sich der Trend, immer weniger Geld in die Produktion hochwer­tiger Dokumen­tar­filme und Fernseh­spiele zu inves­tieren. Selbst bei Auftrags­pro­duk­tionen wird von den Produ­zenten inzwi­schen erwartet, dass sie einen Teil der Herstel­lungs­kosten selbst aufbringen. Gleich­zeitig wird ihnen die Möglichkeit genommen, diesen Eigen­anteil –etwa durch DVD-Verkäufe- zu refinan­zieren. Denn wer kauft noch eine DVD, wenn der gleiche Film in der „Mediathek“ eines öffentlich-recht­lichen Senders kostenlos zu haben ist?   Damit aber nicht genug: selbst in Fällen, in denen die Sender diese Rechte gar nicht mehr selbst nutzen wollen, beharren sie so lange auf einer Sperr­frist für andere, produ­zenten-eigene Verwer­tungs­formen, bis der Film unaktuell und wertlos geworden ist.       
 
Schon heute arbeiten vor allem kleinere Produk­ti­ons­firmen am Rande der Renta­bi­li­täts­grenze. „Der hemmungslose Griff der Sender nach den Internet-Rechten wird diese Tendenz beschleu­nigen und zahlreiche Produk­ti­ons­firmen zur Aufgabe zwingen“, heisst es in dem Schreiben der AG DOK an die Minis­ter­prä­si­denten.
 
Die AG Dokumen­tarfilm verweist darauf, dass die deutschen Rundfunk­an­stalten mit ihrem Anspruch auf Verwer­tungs­rechte, die längst nichts mehr mit dem eigent­lichen Sende­recht zu tun haben, nahezu alleine stehen. Denn in nahezu allen europäi­schen Nachbar­ländern sei der faire Inter­es­sen­aus­gleich zwischen Sendern und der Produk­ti­ons­wirt­schaft längst zur Selbst­ver­ständ­lichkeit geworden. Inbesondere die online-Nutzung sei dort auf faire Betei­li­gungs-Modelle gegründet.
 
Wenn in diesem Jahr der Rundfunk-Staats­vertrag neu verhandelt wird, dürfe das nicht noch ein weiteres Mal auf Kosten der unabhän­gigen Film- und Fernseh­pro­du­zenten gehen. Die Verhand­lungen um den neuen Rundfunk­staats­vertrag sieht die AG DOK als Chance, „die fortschrei­tende Erosion der deutschen Produk­ti­ons­wirt­schaft und die damit verbundene Verarmung der Programm­an­gebote zu verhindern.“