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Pressemitteilung

EU-USA-Freihandelsabkommen TTIP: Kulturelle Ausnahme unverzichtbar

Berlin, 22. April 2013 – US-Präsident Barack Obama hat am 12. Februar in seiner Rede zur Lage der Nation den Vorschlag für ein europäisch-ameri­ka­ni­sches Freihan­dels­ab­kommen aufge­nommen und Verhand­lungen angekündigt. Die EU hat darauf positiv reagiert und im März einen Mandats­vor­schlag zur „Trans­at­lantic Trade and Investment Partnership“ (TTIP) vorgelegt. Der sieht aller­dings keine „kultu­relle Ausnahme“ für Audio­vi­su­elles und Medien vor, wie sie die EU in den Freihan­dels­vor­schriften der Welthan­dels­or­ga­ni­sation bisher immer durch­ge­setzt hat.

„Auch wir Produ­zenten sind natürlich für einen fairen Wettbewerb“, erklärt dazu Alexander Thies, Vorsit­zender des Vorstands der Allianz Deutscher Produ­zenten – Film & Fernsehen. „Aller­dings sind kultu­relle Vielfalt, die Schaffung und Reflexion einer europäi­schen kultu­rellen Identität ohne eine ‚kultu­relle Ausnahme‘ in einem TTIP-Abkommen nicht möglich. Dass die europäische Filmin­dustrie im Gegensatz zur ameri­ka­ni­schen Förderung braucht und bekommt, verzerrt nicht den Wettbewerb, sondern macht ihn erst möglich. Ohne Förderung, ohne ‚kultu­relle Ausnahme‘ gäbe es den europäi­schen Film nämlich gar nicht mehr, keine Oscar-Gewinner wie ‚Liebe‘ oder europäische Block­buster wie ‚Ziemlich beste Freunde‘. Gerade weil wir für fairen Wettbewerb sind, brauchen wir die ‚kultu­relle Ausnahme‘ für Audio­vi­su­elles und Medien im EU-Mandats­vor­schlag zum TTIP, sonst gäbe es uns nicht und damit keinen Wettbewerb. Die Maßnahmen, mit denen in der EU und in den Mitglieds­staaten Filme und andere audio­vi­suelle Medien gestützt und gefördert werden, sind die Voraus­setzung für ein nennens­wertes Filmschaffen in Europa. Die ‚kultu­relle Ausnahme‘ auch in dem TTIP-Abkommen ist unver­zichtbar.“

Ohne eine „kultu­relle Ausnahme“ müssten zum Beispiel die Maßnahmen zur Unter­stützung des europäi­schen Films auf EU-Ebene und in den Mitglieds­staaten abgeschafft werden, weil die Libera­li­sierung des Handels von Waren und Dienst­leis­tungen bedeutet, dass alle Markt­teil­nehmer die gleichen Chancen haben müssen: Quoten­re­ge­lungen sind nicht zulässig, Vergüns­ti­gungen und Subven­tionen müssen beiden Parteien offen­stehen – oder keiner. Das ist für den Handel zum Beispiel mit Automo­bilen oder Finanz­dienst­leis­tungen absolut richtig, nicht aber im Bereich Kultur.

Die Allianz Deutscher Produ­zenten – Film & Fernsehen ist die maßgeb­liche Inter­es­sen­ver­tretung der deutschen Produ­zenten von Film-, Fernseh- und anderen audio­vi­su­ellen Werken. Sie vereint über 200 Produktions¬unternehmen aus den Bereichen Animation, Kinofilm, TV-Enter­tainment, TV-Fiktion, Werbung und Dokumen­tation.