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Pressemitteilung

Internationaler Wettbewerb der Filmstandorte: „Deutschland wird zunehmend abgehängt“

Berlin, 8. November 2016 – Seit 2005 sind in Europa mehr als 20 steuer­liche Anreiz­systeme für Filmpro­duk­tionen neu einge­führt worden, beinahe jedes europäische Land hat erkannt, dass Filmför­derung eine Inves­tition in eine hochqua­li­fi­zierte Zukunfts­in­dustrie ist, die Arbeits­plätze schafft und sichert und sich durch überpro­por­tionale Steuer­ein­nahmen für die Staats­haus­halte rechnet. Zuletzt hat in der vergan­genen Woche das italie­nische Parlament ein neues Filmför­de­rungs­gesetz beschlossen, nach dem die Förder­gelder für die Filmpro­duktion um 60 Prozent (!) auf ungefähr 400 Millionen Euro pro Jahr erhöht werden. Auch das Tax Credit-System für die Filmin­dustrie wurde gestärkt: Inves­ti­tionen im Filmbe­reich werden jetzt mit Steuer­an­reizen bis zu 30 Prozent belohnt.

Dazu erklärt Uli Aselmann, Vorsit­zender der Produ­zen­ten­al­lianz-Sektion Kino: „Durch die stetige Stärkung z. B. der italie­ni­schen Filmför­derung hat sich ein erheb­liches Know-how bei den Kreativen im Lande entwi­ckelt, das in den Ländern mit einer starken Bewegt­bild­in­dustrie und in den Märkten überpro­por­tional gefragt ist. Es geht also nicht nur um die Förder­mittel, sondern auch und vor allem um deren positive Auswir­kungen vor Ort. Deutschland wird von den anderen europäi­schen Filmstand­orten zunehmend abgehängt. Während europaweit neue Förder­mo­delle einge­führt oder ausgebaut werden, hat bei uns die Summe der kultur­wirt­schaft­lichen Filmför­de­rungen 2015 den niedrigsten Stand seit 2009 erreicht. Dabei sind die volks­wirt­schaft­lichen Effekte bekannt: Laut einer Studie werden in Deutschland durch die Filmför­derung zeitnahe Steuer­mehr­ein­nahmen im Verhältnis von 1,72 zu den einge­setzten Mitteln erreicht, worin die Verwertung der so ermög­lichten Filme noch gar nicht einge­rechnet ist. Der Deutsche Filmför­der­fonds, der als ‚Anreiz zur Stärkung der Filmpro­duktion in Deutschland‘ 2013 noch 70 Mio. Euro zur Verfügung hatte, stagniert jetzt bei 50 Mio. Euro pro Jahr. Das ist offen­kundig zu wenig, um hochwertige inter­na­tionale Kino- und TV-Produk­tionen wie ‚Tribute von Panem‘ oder ‚Grand Budapest Hotel‘ ins Land zu locken bzw. im Land zu halten, zu wenig auch, um der deutschen Produk­ti­ons­wirt­schaft mit ihren tausenden Arbeits­kräften und ihrer exzel­lenten Infra­struktur Planungs­si­cherheit zu bieten.“

„Inter­na­tionale Großpro­duk­tionen werden ihre Millio­nen­budgets künftig noch weniger als jetzt in Deutschland ausgeben, und die hiesige Produk­ti­ons­wirt­schaft muss zunehmend den Mangel verwalten, statt mit auskömm­lichen Budgets Filme herzu­stellen, die ihrem handwerk­lichen, techno­lo­gi­schen und künst­le­ri­schen Potential entsprechen würden“, so Uli Aselmann weiter. „Damit Deutschland nicht endgültig von der Karte der bedeu­tenden Filmländer verschwindet, brauchen wir eine mit erheb­lichen Mitteln ausge­stattete Filmför­derung, die für Kino, High-End TV und VFX-Produk­tionen zur Verfügung steht, wie sie in anderen europäi­schen Ländern sehr erfolg­reich etabliert wurde und laufend weiter­ent­wi­ckelt wird.“

Die Allianz Deutscher Produ­zenten – Film & Fernsehen ist die maßgeb­liche Inter­es­sen­ver­tretung der deutschen Produ­zenten von Film-, Fernseh- und anderen audio­vi­su­ellen Werken. Sie vereint ca. 240 Produk­ti­ons­un­ter­nehmen aus den Bereichen Animation, Dokumen­tation, Kinofilm, TV-Enter­tainment, TV-Fiktion und Werbung.