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Pressemitteilung

Deutscher Produzententag 2012: „Ohne Produzenten keine Filme, ohne Filme keine Berlinale“

Berlin, 9. Februar 2012 – Der deutsche Produ­zen­tentag 2012 hat als zentrale film- und medien­po­li­tische Stand­ort­be­stimmung zum Jahres­beginn die Themen beleuchtet, die in der Film- und Fernseh­land­schaft das Jahr bestimmen werden: Filmför­derung, dem wachsenden Erfolg deutscher Filme, das Verhältnis von Sendern und Produ­zenten sowie die Durch­setzung der Urheber­rechte auch im Internet.

„Wie die Themen­liste dieses Deutschen Produ­zen­tentags zeigt, bleibt viel zu tun“, sagte der neue Chef der Senats­kanzlei Berlin, Staats­se­kretär Björn Böhning, in seinem Grußwort: „Die große politische Aufgabe bleibt, die richtigen Rahmen­be­din­gungen für das digitale Zeitalter zu schaffen. Dazu gehört die faire Verteilung der Rechte auch in den neuen Markt­seg­menten und Trans­parenz mit den Programm­zu­lie­fe­rungen im Rundfunk. Die Ausge­wo­genheit des Systems wird Berlin bei der Ausge­staltung des recht­lichen Rahmens im Blick behalten.“

In ihrer Keynote-Rede betonte RTL-Deutschland-Chefin Anke Schäfer­kordt: „Wir benötigen auch in Zukunft immer wieder neue Formatideen. Wir müssen uns weiter­ent­wi­ckeln, die Zuschau­er­wünsche dabei immer im Blick haben.“ Ein „starres Terms-of-Trade-System“ hält sie dabei aber für „wenig hilfreich“, der Programm­bedarf der Sender biete der deutschen Produk­ti­ons­land­schaft jedoch viele neue Chancen: „Um Innovation und Kreati­vität zu fördern, werden wir auch neue Wege gehen müssen." Auftrags­pro­duk­tionen sieht Anke Schäfer­kordt „weiterhin als integralen Bestandteil unseres Programms. Sie geben dem Sender ein Gesicht und einen unver­wech­sel­baren Charakter. Lassen Sie uns also weiter über Ihre Ideen sprechen."

Der Beauf­tragte der Bundes­re­gierung für Kultur und Medien, Staats­mi­nister Bernd Neumann, sagte zu Beginn seiner Ausfüh­rungen über die „Perspek­tiven der Filmpo­litik 2012“, er begrüße auch den Zeitpunkt des Deutschen Produ­zen­tentags am Anfang der Inter­na­tio­nalen Filmfest­spiele Berlin: „Dass die Produ­zen­ten­al­lianz den Auftakt am Berlinale-Eröff­nungstag macht, zeigt, wie wichtig die Produ­zenten für die gesamte Filmbranche sind. Ohne Produ­zenten keine Filme, ohne Filme keine Berlinale – so einfach geht die Rechnung“. Dazu, dass „der deutsche Film mit seiner hohen künst­le­ri­schen Qualität auch im Fernsehen wieder an Präsenz gewinnt“, müssten die Fernseh­ver­an­stalter ihren Beitrag leisten: „Ich hoffe hier auf die Privaten, zähle aber wegen des Kultur­auf­trags besonders auf die öffentlich-recht­lichen Sender. Die zentrale Legiti­mation der Gebüh­ren­fi­nan­zierung des öffentlich-recht­lichen Rundfunks ist die Bereit­stellung verläss­licher und quali­tativ hochwer­tiger Programme und Stoffe. Der öffentlich-recht­liche Rundfunk muss Relevanz den Vorzug vor purer Unter­haltung geben – auch in der Haupt­sen­dezeit. Wir brauchen feste und attraktive Programm­plätze für deutsche Spiel­filme und natürlich auch für den Dokumen­tarfilm.“

Mit dem Impuls­re­ferat von Prof. Dr. Insa Sjurts, Vorsit­zende der Kommission zur Ermittlung der Konzen­tration im Medien­be­reich (KEK), begann der Themen­block „Trans­parenz im Rundfunk“. „Der Markt für fiktionale Kaufpro­duk­tionen ist weitgehend intrans­parent“, stellte Prof. Sjurts fest: „Die Notwen­digkeit von Trans­parenz steht außer Rede und scheint erkannt. Was fehlt, ist die Umsetzung und die Durch­setzung, und hier ist noch viel zu tun.“ Die anschlie­ßende Diskussion mit Staats­mi­nister Rainer Robra, Chef der Staats­kanzlei Sachsen-Anhalt, Staats­se­kretär Marc Jan Eumann, Staats­kanzlei NRW, Dr. Werner Hahn, Justiziar Norddeut­scher Rundfunk, und Prof. Dr. Oliver Castendyk, Wissen­schaft­licher Direktor der Produ­zen­ten­al­lianz, verlief erwar­tungs­gemäß teilweise kontrovers. „Wir wollen eine norma­li­sierte Branche – genauso wie bei den Terms of Trade –, wir wollen auf inter­na­tionale Standards kommen, so wie sie in Großbri­tannien und Frank­reich üblich sind,“ brachte Oliver Castendyk die Forderung auf den Punkt. Auch die Vertreter der Länder vermissten Trans­parenz bei den Sendern. Grund­sätzlich machte sich auch Dr. Hahn die Wichtigkeit von Trans­parenz zu eigen: „Wenn es eine Insti­tution gibt, die von Trans­parenz lebt, dann sollte es der öffentlich-recht­liche Rundfunk sein, und das, was ich dazu tun kann, werde ich auch tun“.

Einen sehr emotio­nalen Moment hatte der Deutsche Produ­zen­tentag mit der Verleihung der Produ­zen­ten­al­lianz-Ehren­mit­glied­schaft an den Produ­zenten Artur Brauner. Dem heute 93-jährigen und nach wie vor aktiven Filmpro­du­zenten wurde die Ehren­mit­glied­schaft „in Anerkennung Ihrer langjäh­rigen Arbeit in der deutschen Produk­ti­ons­wirt­schaft und zum Dank Ihrer Verdienste um die filmische Aufar­beitung des Holocausts“ verliehen. In seiner Laudatio würdigte Alexander Thies, Vorsit­zender des Produ­zen­ten­al­lianz-Gesamt­vor­stands, Artur Brauners Schaffen als das, „wovon alle Produ­zenten träumen: Filme für das Publikum und Filme für sich selber“ zu machen: „Und wie bei jedem großen Produ­zenten schließt das Eine das Andere niemals aus.“ In einer kurzen Rede dankte Artur Brauner für die Ehren­mit­glied­schaft – „ein Tatbe­stand, der mich angenehm berührt“ – und erklärte die Absicht, weiterhin die Schicksale der Opfer der Nazi-Diktatur in seinen Filmen festzu­halten, „denn täte ich es nicht, würde ich mich nicht mehr im Spiegel sehen wollen und können!“ Die Anwesenden im bis auf den letzten Platz besetzten Leibniz-Saal der Berlin-Branden­bur­gi­schen Akademie der Wissen­schaften dankten Artur Brauner für sein Engagement mit Standing Ovations.

Die Produ­zen­ten­al­lianz dankt ihren Sponsoren und Koope­ra­ti­ons­partnern, die diesen Event maßgeblich unter­stützen: Sixt rent a car, KODAK GmbH Stuttgart, Gesell­schaft für Unter­hal­tungs- und Kommu­ni­ka­ti­ons­elek­tronik mbH, Deutsche Lufthansa AG, actisio GmbH und Canon.

Die Allianz Deutscher Produ­zenten – Film & Fernsehen ist die maßgeb­liche Inter­es­sen­ver­tretung der deutschen Produ­zenten von Film-, Fernseh- und anderen audio­vi­su­ellen Werken. Sie vereint ca. 210 Produk­ti­ons­un­ter­nehmen aus den Bereichen Animation, Kinofilm, TV-Enter­tainment, TV-Fiktion, Werbung und Dokumen­tation.