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Süddeutsche Zeitung: „Gebührenfinanzierter Klüngel“

Affäre Heinze/NDR (XIV): Anlässlich des Deutschen Fernseh­preises, der morgen in Köln verliehen wird, widmet die Süddeutsche Zeitung ihre Seite drei dem öffentlich-recht­lichen Fernsehen.

In einem großen Stück über den Schau­spieler Axel Milberg schreibt Michael Bitala, ARD und ZDF kassierten pro Jahr rund acht Milli­arden Euro – „so viel, wie der Bund jährlich für die gesamte Kultur­för­derung aus Steuern aufbringt“. Gejammert werde in den Sendern trotzdem nicht wenig, „dabei kennt man das Wort Krise eigentlich nur aus der Zeitung. Mit so viel Geld und Freiheit müsste sich neben allem Anderen auch Aufre­gendes verwirk­lichen lassen. „Das geschieht nicht.“ Axel Milberg („gehört zu den erfolg­reichsten Schau­spielern hierzu­lande“) sage: „Das Fernsehen starrt auf den Zuschauer. Es wird vor sich hinge­zittert und geschaut, wie die Sendung ankommt." Die Zittrigen seien meist die, die am Ende die Richtung vorgeben. Es seien die, „die mit leiser Stimme denen den Schneid abkaufen, die was wollen“. Doris J. Heinze, die fristlos entlassene NDR-Fernseh­spiel­chefin sei laut Milberg übrigens „aufge­schlossen gewesen“, ihr seien die „spießigen Diskus­sionen über den Massen­ge­schmack" vorgeblich egal gewesen: Zu schade (SZ vom 25.9.2009, Seite 3)

Im zweiten Seite-drei-Artikel der Süddeut­schen Zeitung von heute befassen sich Hans Leyen­decker und Nicolas Richter wieder mit „sonder­baren Fällen von Macht­ballung“ in der ARD. Ohne diesmal Doris J. Heinze zu erwähnen, nennen sie „zum Beispiel“ Christian Gramstadt, Referent des ARD-Chefre­dak­teurs, der „nebenbei noch die Zeit findet, Autor etlicher Dokumen­tar­filme zu sein“, die die ARD ausstrahle. Die BR-Redak­teurin Claudia Gladzie­jewski biete privat Seminare für Autoren und Regis­seure an. Leyen­decker und Richter fragen, ob es helfe, ihre Kurse zu besuchen, wenn man Filme im BR unter­bringen will. Der BR finde, das sollte es nicht, es sei aber „nicht auszu­schließen, dass sich allgemein Seminar­teil­nehmer Hoffnung auf eine BR-Entwicklung machen – das passiert in der Branche immer, wenn Kreative Kontakt zu Redak­tionen erhalten“. Da habe man Glück, so Leyen­decker und Richter weiter, wenn man mit Jana Brandt verhei­ratet ist, der Fernseh­film­chefin des MDR. Deren pensio­nierter Mann, Henner Höhs, schreibe Drehbücher für die ARD-Filmein­kaufs­firma Degeto. Der MDR erkläre, dass Frau Brandt keinen „direkten Einfluss“ auf die Verteilung der Aufträge bei der Degeto habe.

Im Herzstück des Artikels nehmen sich Leyen­decker und Richter Gabriele Sperl vor, die „war mal Fernseh­spiel­chefin im Bayeri­schen Rundfunk“. Sie habe nicht nur entschieden, wer was drehen durfte, sie sei auch Autorin „etlicher TV-Filme“, die sie „in ihrer Freizeit, im Urlaub“ geschrieben habe. Über Sperl würden derzeit „viele Geschichten“ erzählt: „Meist sind es keine schönen Geschichten.“

Dass „Leute in der Hierarchie ihre Stellung nutzen können, sich oder Verwandten zu Aufträgen zu verhelfen,“ sei bei der ARD Alltag, schreiben Leyen­decker und Richter weiter. Insofern sei das Normale hier „oft der gebüh­ren­fi­nan­zierte Klüngel, der wiederum Innova­tives, Neues, Überra­schendes verhindert“: Die Philo­sophie einer spezi­ellen Norma­lität (frei zugänglich, SZ vom 25.9.2009, Seite 3)