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Filmproduzent Stefan Arndt mit Kritik am Geschäftsmodell von Netflix: Produzent und Kreative müssen beteiligt werden / Ich mache mir wirklich Sorgen um das Kino

Stefan Arndt, Geschäfts­führer der X-Filme Holding und einer der Väter und Produ­zenten der Serie „Babylon Berlin“ sagt im Interview zu verschie­denen Themen mit Pro Media (Ausgabe 12/2018, S. 51-54), dass die deutsche Filmin­dustrie glaube, dass das „Filme­machen schon wahnsinnig aufregend“ sei, „aber die Verän­de­rungen, auf die wir uns einstellen müssen, sind globaler Natur.“ Platt­formen könne man „nur mit starken Partnern etwas entge­gen­setzen“. Für Arndt steht fest, dass es „einen Wandel von der Macht der Verwerter zur Macht des Contents, der aber durch die Verwerter an das Publikum gebracht wird“ gibt. Zur Zusam­men­arbeit wichtiger Player äußert er, dass er sich eine Koope­ration zwischen ARD und ZDF ebenso wenig vorstellen könne wie zwischen RTL und ProSieben. Arndt kriti­siert, dass Netflix häufig „auf weltweiten Verwer­tungs­rechten zulasten der Produ­zenten“ bestehe, konkret: „Warum muss eine Plattform, wenn sie sich an etwas beteiligt, 100 Prozent der gesamten Weltver­wer­tungs­rechte haben? Warum muss Netflix nicht die Zuschau­er­zahlen ihrer Filme offen­legen?“. Hier sieht der Produzent Änderungs­bedarf. Arndt stellt für X-Filme klar, dass die Strea­ming­plattform Netflix heute agiere „wie früher ARD und ZDF: Wer zahlt schafft an, alle Rechte zu mir.“ Und er stellt die Frage: „Aber warum sollten wir zum Schaden der deutschen Filmwirt­schaft das Rad wieder zurück­drehen?“

Kino und Kinover­wertung hätten Probleme konsta­tiert er weiter, und er mache sich „wirklich Sorgen“. Es sei zwar der Ort, „wo die Premi­um­marke des fiktio­nalen Films präsen­tiert werden sollte“, aber es müsse sich jetzt auch noch einmal neu erfinden, gegen­wär­tiger, ein besonders emotio­naler Ort werden. Mit der aktuellen respek­tierten Besucherzahl von 100.000 bis 150.000 Besuchern pro Film könne „man noch nicht einmal die Verleih­kosten zurück­zahlen, geschweige denn die Filmför­derung.“ Daher verdiene der Produzent daran auch kein Geld.

Pro Media (Ausgabe 12/2018, S. 48/49), print