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Anhörung zu MEDIA 2014: Erleichterung und Zuversicht

In einem Gastbeitrag für das Medien­ma­gazin promedia (Ausgabe Mai 2011) berichtet Prof. Dr. Mathias Schwarz von die Brüsseler Anhörung zum MEDIA Programm. Der Beitrag im Wortlaut:

Noch keine konkreten Vorschläge für die Weiter­führung des MEDIA-Programms

Teilentwarnung für MEDIA 2014

Von Prof. Dr. Mathias Schwarz, Direktor für Inter­na­tio­nales und Leiter der Sektion Kino der Produ­zen­ten­al­lianz

Das Gerücht verbreitete sich ausgehend von der Berlinale Mitte Februar 2011 wie ein Lauffeuer: Eine Fortsetzung des MEDIA Programms sei nicht gesichert oder sogar konkret gefährdet. Im Rahmen der Überprüfung des gesamten Finanz­rahmens der Europäi­schen Union für die Zeit nach 2013 kämen alle Ausgaben auf den Prüfstand. Mit einer Dotierung könnten nur Maßnahmen rechnen, die ihre Wirkung nachweisen könnten.

Zu seiner Evalu­ierung und zur Diskussion über eine Fortent­wicklung des MEDIA- Programms fand Ende März in Brüssel eine erste von der Kommission organi­sierte Anhörung zum MEDIA Programm statt. Diese war unabhängig von den Gerüchten um die Gefährdung der Fortschreibung des Programms termi­niert worden, stand aber doch stark unter dem Eindruck dieses Damokles­schwerts. Die fast 400 Teilnehmer der Anhörung vernahmen es deshalb mit Erleich­terung, dass gleich zu Beginn der Anhörung sowohl der General­di­rektor der Direktion Unter­richt und Kultur, Herr Jan Truszc­zynski, wie auch das Mitglied des Kultur­aus­schusses des Europäi­schen Parla­ments, Herr Piotr Borys, sich entschieden für eine Fortsetzung und möglichst auch für eine Ausweitung des MEDIA-Programms für die Jahre ab 2014 aussprachen. Gleich­zeitig skizzierten beide die aus ihrer Sicht anste­henden Aufgaben: Es gehe um eine Fortent­wicklung des Programms, seine Einbindung in das europäische Entwick­lungs­pro­gramm 2010/2020, eine weitere Stärkung der Digita­li­sierung der Medien und eine mögliche organi­sa­to­rische Neustruk­tu­rierung in Form einer Zusam­men­fassung mit dem „Culture Programme“.

Die Panel-Teilnehmer vertraten verschiedene Bereiche der europäi­schen Filmin­dustrie (Regie, Produktion, Animation, Verleih, VoD Anbieter, Weltver­trieb). Vor dem Hinter­grund der befürch­teten Gefährdung des Programms betonten sie die positiven Seiten des laufenden MEDIA Programms und verwiesen auf die Wichtigkeit seiner Fortsetzung. Zugleich wurden verschiedene Wünsche an das fortge­schriebene Programm angesprochen: Ausbau der Festival- und Kurzfilm­för­derung, Fortsetzung der Möglichkeit zur Begründung von erfolg­reichen Netzwerken der Zusam­men­arbeit als Folge der europäi­schen Fortbil­dungs­pro­gramme, Bedeutung der Vertriebs­för­derung insb. für Produ­zenten aus den kleineren Ländern des östlichen Europas, Verbes­serung der Rahmen­be­din­gungen für europa­weite VoD Angebote europäi­scher Produk­tionen. Kritik gab es nur zu einem Teilaspekt des heutigen Programms: Ein Verleiher wies darauf hin, dass wegen der Vielzahl der einen Vertrieb suchenden Produk­tionen der Druck auf die Verleiher, einen Film „aus Kulanz“ in das Programm zu nehmen, um sich damit Referenz­punkte zu sichern, immer wieder groß sei. Aviva Silver, die Leiterin des Media Programms, machte zum Abschluss deutlich, dass konkrete Vorschläge zur Konzeption des MEDIA Programms 2014 erst in den nächsten Monaten entwi­ckelt werden sollen. Ausdrücklich erwähnte sie jedoch eine mögliche Erwei­terung der Förderung von Compu­ter­spielen und das Bestreben, zu einer weiteren Entbü­ro­kra­ti­sierung des Antrags­ver­fahrens zu kommen.

Wenn auch während der Anhörung die Zuver­sicht wuchs, dass das MEDIA Programm eine Fortsetzung erfahren wird, so steht die nächste Hürde doch noch bevor, wenn Kommissar Lewan­dowsky im Juli den Entwurf für eine mittel­fristige Finanz­planung vorlegen wird. Darin werden voraus­sichtlich nur die allge­meinen Budget­größen genannt werden. Parallel hierzu wird von der General­di­rektion Erziehung und Kultur jedoch die konkrete Planung für das neue Programm voran­ge­trieben. Um hier die Inter­essen der Produk­ti­ons­wirt­schaft gebündelt einbringen zu können, wird die Produ­zen­ten­al­lianz an einer Working Group bestehend aus den inter­na­tio­nalen Produ­zen­ten­ver­bänden teilnehmen.

Aus promedia 5/2011, S. 15 (Filmpo­litik) – Wiedergabe mit freund­licher Geneh­migung des promedia-Verlags.