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Alexander Thies: „Produzenten wollen starke und leistungsfähige und von den Beitragszahlern akzeptierte öffentlich-rechtliche Sender“

Im Gastbeitrag für Blickpunkt:Film erklärt Alexander Thies, Vorsit­zender des Produ­zen­ten­al­lianz-Gesamt­vor­stands, warum die Produ­zenten nicht in den Chor jener einstimmen, die anlässlich der Einführung des Rundfunk­bei­trags gegen die öffentlich-recht­lichen Sender in Deutschland agitieren, und warum Trans­parenz für diese Sender gerade jetzt so wichtig ist. Der Beitrag im Wortlaut:

Produ­zenten fordern Trans­paranz von ARD und ZDF

Existenzfragen

von Alexander Thies, Vorsit­zender des Gesamt­vor­stands der Allianz Deutscher Produ­zenten – Film & Fernsehen

Wie man immer wieder liest, ist das öffentlich-recht­liche System in Deutschland das teuerste der Welt. Unbestreitbar ist es aber auch eines der besten. Das kann man angesichts eines jährlichen Gebüh­ren­auf­kommens von über 7,5 Mrd. Euro natürlich auch erwarten. Die Ansprüche sind hoch – und sie werden steigen. Wenn die Bürge­rinnen und Bürger nicht mehr wegen des Besitzes eines „Empfangs­geräts“ zur Zahlung von Rundfunk­ge­bühren verpflichtet sind, sondern wenn sie allein als Wohnungs­in­haber ab 2013 als „Beitrags­schuldner“ gelten, werden sie Enthül­lungen, nach denen einzelne Mitar­beiter der Sender aus Fahrläs­sigkeit oder aus krimi­nellen Motiven Millio­nen­schäden angerichtet haben, noch skanda­löser als bisher finden. Sie werden fragen, ob es wirklich nötig ist, dass von ihrem Rundfunk­beitrag die Rechte für sehr teure Fußball­meis­ter­schaften bezahlt werden, die auch bei werbe­fi­nan­zierten Sendern gezeigt werden könnten. Sie werden nicht verstehen, dass die öffentlich-recht­lichen Sender im Gegensatz zu steuer­fi­nan­zierten Insti­tu­tionen so wenig dazu verpflichtet sind, die Verwendung ihrer Mittel offen­zu­legen, weil es für die Bürge­rinnen und Bürger keinen Unter­schied macht, ob sie als Steuer­zahler oder als Beitrags­schuldner zahlen müssen.

Die Produ­zen­ten­al­lianz wird nicht in den Chor jener einstimmen, die anlässlich der Einführung des Rundfunk­bei­trags mit wohlfeiler Polemik und durch­sich­tigen Argumenten gegen die öffentlich-recht­lichen Sender in Deutschland agitieren. Die Existenz von ARD, ZDF und Deutsch­land­radio ist vielen ein Dorn im Auge – aus ideolo­gi­schen Gründen, aber auch wegen handfester wirtschaft­licher Inter­essen.

Auch die Produ­zenten haben handfeste wirtschaft­liche Inter­essen. Fast zwei Drittel ihres Auftrags­vo­lumens kommen nach der neuen Produ­zen­ten­studie von öffentlich-recht­lichen Sendern. Deshalb richten sich die wirtschaft­lichen Inter­essen der Produ­zenten nicht gegen ARD und ZDF, im Gegenteil: Die Produ­zenten wollen starke und leistungs­fähige und von den Beitrags­zahlern akzep­tierte öffentlich-recht­liche Sender.

Mit der Akzeptanz der Öffentlich-Recht­lichen scheint es aber gegen­wärtig nicht so gut bestellt zu sein. Nach einer aktuellen Umfrage finden es 60 Prozent der Befragten nicht richtig, dass ab Januar jeder Haushalt einen Rundfunk­beitrag entrichten muss. Dieses Problem können die Sender nur lösen, wenn sie ein Programm zeigen, das einer­seits nicht auch so ähnlich bei den Werbe­fi­nan­zierten zu sehen ist und das den Zuschauern anderer­seits die Gewissheit verschafft, für ihren Rundfunk­beitrag einen angemes­senen Gegenwert zu bekommen. Dieses hochwertige Programm müssen die Sender aber auch bezahlen wollen. Und weil die Bürge­rinnen und Bürger genauer wissen wollen, was die gebüh­ren­fi­nan­zierten Sender mit den 215,76 Euro machen, die jährlich überwiesen werden müssen, wäre es klug, wenn die Sender ihre Trans­parenz entscheidend verbessern würden. Es ist ja nicht nur die Produ­zen­ten­al­lianz, sondern zum Beispiel auch die Organi­sation Trans­pa­rency Inter­na­tional Deutschland, die die Sender ermuntert, ihre Auftrags­ver­gaben offener zu machen.

Kritiker und Gegner der öffentlich-recht­lichen Sender gefallen sich besonders in dieser Zeit darin, ARD und ZDF publi­kums­wirksam Verschwen­dungs­sucht, Schlud­rig­keiten und Misswirt­schaft vorzu­werfen und sie mit totali­tären Staaten zu vergleichen. Erst wenn die Sender dem selbst­be­wusst begegnen und damit zeigen, was sie sind – nämlich wertvolle Leucht­türme im Dienst unserer freien und so offenen wie vielfäl­tigen Gesell­schaft –, werden es Wohnungs­in­haber richtig finden, den Rundfunk­beitrag zu zahlen.

Aus: Blickpunkt:Film Nr. 52/12-1/13 vom 24. Dezember 2012