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„Dienstag steht der deutsche Film vor Gericht!“

Das Bundes­ver­fas­sungs­ge­richt verhandele morgen über die Frage, ob die Finan­zierung der Filmför­derung mit dem Grund­gesetz vereinbar ist, berichtet unter anderem die Südwest­presse. Geklagt hätten Betreiber von Großkinos, die sich dagegen wehrten, dass sie mit TV-Anstalten und DVD-Verleihern die Filmför­de­rungs­an­stalt (FFA) finan­zieren müssen. Deutsche Filmpro­du­zenten warnten indes vor einem Aus für die Filmför­derung: Ohne sie könne ein großer Teil der Kinofilm­pro­duk­tionen nicht mehr statt­finden, habe Alexander Thies, Vorsit­zender des Gesamt­vor­standes der Produ­zen­ten­al­lianz, gesagt: Deutsche Filmför­derung vor Gericht (frei zugänglich)

Kinopro­duzent Martin Moszkowicz (und Mitglied des Produ­zen­ten­al­lianz-Gesamt­vor­stands), verteidige die deutsche Filmför­derung, berichtet Spiegel-online: „Wenn das Geld, das die Filmför­de­rungs­an­stalt jedes Jahr in deutsche Produk­tionen steckt, wegfiele, wäre das ein Kahlschlag", habe Moszkowicz im Interview mit dem Magazin Der Spiegel gesagt.: „Ein Großteil der Filme, die jetzt in Deutschland herge­stellt werden, wären dann nicht mehr zu finan­zieren. Auch viele Kinos könnten nicht überleben, weil sie von der FFA unter­stützt werden.“ Wegfall der Filmför­derung wäre Kahlschlag (frei zugänglich)

Im Spiegel-Interview antwortet Martin Moszkowicz auf die Frage, ob der Vorwurf der UCI, das FFA-Geld fließe großteils in unkom­mer­zielle Filme, nicht nicht berechtigt ist: „Nein, mit Mitteln der FFA sind neben Kassenhits wie „Türkisch für Anfänger“ ja auch inter­na­tionale Co-Produk­tionen wie „Der Vorleser“ oder „Die drei Muske­tiere“ gefördert worden, die auch in UCI-Kinos liefen – und zwar ziemlich erfolg­reich. Wenn die UCI-Leute solche Filme in Zukunft verhindern wollen, schießen sie sich ins eigene Knie: „Schuss ins eigene Knie“ (Spiegel 41/2013, S. 153, nicht online zugänglich)

Künftig sollten auch Online-Dienste Abgaben zur Förderung des deutschen Films zahlen, schreibt Hermann J. Olbermann in der Wirtschafts­Woche. Hinter­grund der Forderung sei die Klage des Kinobe­treibers UCI.  Martin Moszkowicz hoffe, dass die Klage zurück­ge­wiesen wird. „Ohne Förderung gäbe es kaum einen deutschen Film“, habe er gewarnt, „und Film ist Kultur- und Wirtschaftsgut in einem. Überall in Europa und der Welt unter­stützen die Länder ihre natio­nalen Produk­tionen, weil sie nicht in der Lage sind, sich zu refinan­zieren.“ Constantin Film: „Auch Apple soll für deutsche Filme zahlen“ (frei zugänglich)

„Dienstag steht der deutsche Film vor Gericht!“ schreibt Michael Zöllner in der B.Z. Im Interview erkläre Iris Berben, Schau­spie­lerin und Präsi­dentin der Deutschen Filmaka­demie, warum die Förderung für deutsche Filme wichtig ist: Auf die Frage, wofür brauchen wir überhaupt die Filmför­derung brauchen, antwortet sie: „Um die Vielfalt des deutschen Films zu erhalten. Vor etwas 45 Jahren wurde die Filmför­derung ins Leben gerufen, weil man der Meinung war, der deutsche Film müsse mehr sein als ,Schul­mäd­chen­report‘.“ Dass es nachvoll­ziehbar sei, „dass sie (die klagenden Kinoketten)nicht für etwas zahlen wollen, was sie kaum zeigen, findet Iris Berben nicht: „Mindestens 20 Prozent der Kinobe­sucher schauen einen deutschen Film. Auch die großen Kinos verdienen damit Geld. Aber natürlich geht es auch um Anstand und Zusam­menhalt der Branche. Der Solidar­ge­danke ist aller­dings schwer einzu­fordern, vor allem bei Ketten, die inter­na­tio­nalen Geldgebern gehören.“ Zöllner schreibt weiter: „Sollte das Bundes­ver­fas­sungs­ge­richt im Sinne der großen Ketten urteilen, wäre dies das Ende der Bundes­film­för­derung und auch des Deutschen Filmfonds. Von Kultur­staats­mi­nister Bernd Neumann gegründet, gilt der Fonds als sein Lebenswerk.“ Iris Berben verteidigt die Filmför­derung (frei zugänglich)