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Christoph Palmer zu ZDF-Eckpunkten und Rundfunkgebühr

Im Interview mit dem medien­po­li­ti­schen Magazin promedia (November-Ausgabe) erläutert Dr. Christoph E. Palmer, Vorsit­zender der Geschäfts­führung der Allianz Deutscher Produ­zenten – Film & Fernsehen, die mit dem ZDF verein­barten „Eckpunkte der vertrag­lichen Zusam­men­arbeit bei Auftrags­pro­duk­tionen“: „Wir haben eine durch­grei­fende, in der Geschichte der Auftrags­pro­duktion noch nicht dagewesene umfas­sende Verbes­serung aller Rahmen­be­din­gungen, aber im bestehenden System, erreicht. In der zweiten Stufe, die aber nicht in der Laufzeit des Vertrages aufge­rufen wird, geht es um den grund­sätz­lichen Paradig­men­wechsel.“

Der Beitrag im Wortlaut:

  • Produ­zen­ten­al­lianz und ZDF verein­baren Eckpunkte der vertrag­lichen Zusam­men­arbeit
  • Gemeinsame kommer­zielle Video-on-Demand-Plattform geplant
  • Produ­zenten gegen eine Festschreibung der Rundfunk­ge­bühren auf 17,98 Euro

„Im digitalen Zeitalter wird die Zweitverwertung immer wichtiger“

  • Interview mit Dr. Christoph E. Palmer, Vorsit­zender der Geschäfts­führung der Allianz Deutscher Produ­zenten

Mit Verein­ba­rungen über fortge­setzte und erwei­terte Erlös­be­tei­li­gungen, verbes­serten Zahlungs­be­din­gungen und Erleich­te­rungen bei der Bürgschafts­stellung für die Produ­zenten sowie der Anerkennung neuer Berufs­bilder haben sich das ZDF und die Allianz Deutscher Produ­zenten auf „Eckpunkte der vertrag­lichen Zusam­men­arbeit bei Auftrags­pro­duk­tionen“ verständigt. Zu den Eckpunkten der Einigung gehören Fortsetzung und Ausbau der Erlös­be­tei­ligung der Produ­zenten bei vom Sender voll finan­zierten Auftrags­pro­duk­tionen. Diese Betei­ligung an kommer­zi­ellen Verwer­tungen prakti­ziert das ZDF bereits seit den 70er Jahren. Für die Rechte­ver­wertung hat sich das ZDF grund­sätzlich bereit erklärt, im Einzelfall Sonder­re­ge­lungen zuzustimmen. Beide Seiten erklärten ihre Absicht zur partner­schaft­lichen Zusam­men­arbeit bei der kommer­zi­ellen Video-on-Demand-Verwertung. Diesbe­züglich sollen die Rahmen­be­din­gungen für den Aufbau und Betrieb einer gemein­samen Plattform für die kommer­zielle Abruf-Verwertung (Video on Demand) von Auftrags­pro­duk­tionen sehr schnell geprüft werden. „Nach meinem Kennt­nis­stand hat ZDF Enter­prises bereits einen Antrag beim ZDF-Verwal­tungsrat für die Gestattung eines entspre­chenden Geschäfts­mo­dells durch das Gremium gebracht. Die Grund­ent­scheidung beim ZDF scheint also gefallen zu sein“, so der Geschäfts­führer der Produ­zen­ten­al­lianz Christoph Palmer in einem promedia-Gespräch.

promedia: Herr Palmer, Sie haben eine Verein­barung, mit der ARD vor einem Jahr und jetzt mit dem ZDF, zu verbes­serten Terms of Trade erreicht. Die Verein­ba­rungen mit den privaten Sendern stehen noch aus. Ist das Glas halb voll oder halb leer?
Palmer: Die Allianz existiert erst zweieinhalb Jahre. In dieser kurzen Zeit hat sie versucht, die ganze Branche abzubilden. Das Vorhaben ist insoweit gelungen, als jetzt mittler­weile 200 Unter­nehmen aller Genres ihr beigetreten sind. Erst diese hohe Reprä­sentanz in der Branche gibt uns den Rückhalt, die Inter­essen der Produk­ti­ons­wirt­schaft gegenüber Sendern, Förderern, Politik, aber auch bei Tarif­ver­hand­lungen, gegenüber Mitar­beitern und nicht zuletzt der Öffent­lichkeit zu vertreten. In kurzer Zeit ist es gelungen, nach der ARD nun auch mit dem ZDF ein Grund­la­gen­papier zu verab­reden, das in dieser umfas­senden Form in der Geschichte der Auftrags­pro­duktion noch nicht da war. Deshalb kann man mit Fug und Recht sagen, dass das Glas nicht nur halb voll ist, sondern bereits mindestens zu zwei Dritteln gefüllt ist.

promedia: Was halten Sie für das wichtigste Ergebnis dieser Verein­barung mit dem ZDF?
Palmer: Ich will nicht priori­sieren, was das Wichtigste ist, weil nach Größe der Firma oder nach Genre unter­schied­liche Aspekte im Vorder­grund stehen. Für ein kleines Produk­ti­ons­un­ter­nehmen sind die Verein­ba­rungen über schnellere Zahlungs­ziele oder die Verdop­pelung der Bürgschafts­be­träge relevanter als für größere Unter­nehmen. Für Letztere könnte inter­es­santer sein, dass wir flexible Rechte­ab­geltung durch Mitfi­nan­zierung gefunden haben. Eine Hierarchie des Erfolgs aufzu­stellen, würde dem Charakter des Papiers wider­sprechen. Wir haben versucht, die Kondi­tionen der Zusam­men­arbeit nach dem Beispiel der ARD zu regeln und sind im Gesamt­vor­stand der Allianz der Auffassung, dass wir in der Substanz vergleichbar wie mit der ARD abgeschlossen haben.

Die Papiere unter­scheiden sich, weil wir es nicht mit einem monoli­thi­schen Block des öffentlich-recht­lichen Rundfunks zu tun haben, sondern es sich um zwei unter­schied­liche Sender­gruppen auch mit unter­schied­lichen Abspiel­mög­lich­keiten und deshalb spezi­fi­schen Erfor­der­nissen handelt.

promedia: Ein Kernpunkt der Gespräche mit dem ZDF war die Betei­ligung an der Zweit­ver­wertung. Welche Bedeutung hat dieser Aspekt heute für die TV-Produ­zenten?
Palmer: Das Eckpunk­te­papier mit dem ZDF hält, wie das bei der ARD, an fairen und ausge­wo­genen Vertrags­be­din­gungen für die vollfi­nan­zierte Auftrags­pro­duktion fest, die im TV-Bereich auch in Zukunft die Regel sein werden. Im digitalen Zeitalter wird die Zweit­ver­wertung durch die unter­schied­lichen Nutzungs­formen immer wichtiger, weshalb die Vertrags­be­din­gungen darauf abgestimmt werden müssen. Aus diesem Grund haben wir mit der Hamburg Media School das Forschungs- und Kompe­tenz­zentrum für audio­vi­suelle Produktion als Think Tank der deutschen Produ­zenten auf den Weg gebracht, das auch eine neue Produ­zen­ten­studie erarbeiten soll, die die Bedeutung und den Anteil der Zweit­ver­wertung in einer statis­tisch einwand­freien Form ermittelt.

promedia: Sie hatten sich beim Anteil an der Zweit­ver­wertung mit der ARD auf einen anderen Schlüssel geeinigt als jetzt beim Abkommen mit dem ZDF. Warum dieser Unter­schied?
Palmer: Zwei unter­schied­liche Modelle können attraktiv sein, weil man diffe­ren­zierte Erfah­rungen damit sammelt und Alter­na­tiven entwi­ckelt. Das Modell beim ZDF, mit 16 Prozent vom Brutto­erlös, könnte auf Grund der verschie­denen Abzüge, Vertriebs­kosten, (Verwal­tungs-) Pauschale, oder Synchro­ni­sa­ti­ons­abzüge, die bei „Netto“ anfallen, für einen Großteil der Produ­zenten sogar inter­es­santer sein, als das auf den ersten Blick attrak­tiver erschei­nende 50:50- Netto-Modell mit der ARD. Bei Brutto gehen wir davon aus, dass von vornherein mehr Produk­tionen in den Vertei­ler­schlüssel gelangen, als es bisher bei Netto der Fall war. Deshalb haben wir Misch­kal­ku­la­tionen über die Genres und die Produk­ti­ons­formen, ob es eine Serie, Daily oder ein Einzel­stück ist, angestellt. Wir kamen dabei zu dem Ergebnis, dass Brutto attraktiv sein könnte. Ich formu­liere im Konjunktiv, weil wir ausdrücklich in diesem Papier, obwohl es insgesamt auf vier Jahre angelegt ist, uns das Thema Brutto-Kosten-Modell im Detail nach zwei Jahren anschauen und sehen wollen, ob die Erwar­tungen in Erfüllung gegangen sind.

promedia: Warum ist es für das ZDF attraktiv, wenn bei den Produ­zenten mehr durch den Brutto-Bezug ankommt?
Palmer: Einfach deshalb, weil man mittler­weile Heerscharen von Mitar­beitern in der Abrechnung der Produk­tionen einsetzen muss. Durch den Abzug gleich vom Brutto entfallen aufwändige Einzel­prü­fungen sowie -abrech­nungen und das ZDF verspricht sich einen Einspa­rungs­effekt im eigenen Haus durch die Verein­fa­chung der Abzugsmodi. Das ist die Win-Win-Situation, die nach unserer Prognose für beide Seiten bei diesem Modell entstehen könnte. Bei der ARD gab es früher keine Erlös­be­tei­ligung. Dort ist man erst mit dem Eckpunkte-Papier, das wir im Dezember 2009 mitein­ander geschlossen haben, in die Erlös­be­tei­ligung einge­stiegen. Dieses Erlös­be­tei­li­gungs­modell mit der ARD, wollen wir jetzt für die Laufzeit mit der 50 -Prozent- Netto-Abrech­nungs­praxis fortsetzen.

promedia: Wie ist jetzt die Regelung für die Onlin­ever­wertung mit dem ZDF?
Palmer:
Das ZDF und die Produ­zen­ten­al­lianz sind in einer vertieften Markt­be­ob­achtung zu dem Ergebnis gekommen, dass in der Onlin­ever­wertung von Produk­tionen sehr viel Zukunft und wirtschaft­liches Potenzial liegt. Wir glauben, dass die Platt­formen in den nächsten Monaten förmlich explo­dieren und dass sich auch die Zugriffe stark entwi­ckeln werden. Der Markt ist hier sehr schnell in Bewegung und da die Verein­barung mit dem ZDF zehn Monate nach der mit der ARD abgeschlossen worden ist, konnten wir in diesem Punkt schon konkreter sein. Unter Zustimmung der zustän­digen Gremien werden ZDF und die Allianz den Aufbau und Betrieb einer gemein­samen Plattform für die kommer­zielle On-Demand-Verwertung der Auftrags­pro­duk­tionen prüfen und zwar partner­schaftlich in einer gemeinsam zu gründenden Gesell­schaft mit ZDF Enter­prises, in die die nicht-exklu­siven, kommer­zi­ellen On-Demand-Rechte einge­bracht würden. Beide Seiten sind offen für weitere Partner­schaften, insbe­sondere für die ARD, aber auch für andere.

promedia: Wie schnell kann diese Idee umgesetzt werden?
Palmer: Wir werden die Gespräche über die Gründung einer solchen Plattform zeitnah aufnehmen, die Gespräche mit hoher Entschlos­senheit und auf der Basis der vertieften Markt­er­kundung mitein­ander führen und dann rasch entscheiden. Wenn die gemeinsame Plattform nicht zustande kommt, werden wir über die Erlös­be­tei­ligung bei kommer­zi­eller VoD-Auswertung kurzfristig neu verhandeln. Zunächst wird unser ganzes Augenmerk darauf liegen, dass wir versuchen, eine solche VoD-Plattform auf den Weg zu bringen, weil wir darin eben großes Potenzial sehen. Die Erlöse aus einer solchen gemein­samen Plattform würden entspre­chend geteilt. Da müssen wir uns aber die Geschäfts­mo­delle im Einzelfall anschauen. Die EU-Kommission hat den kommer­zi­ellen Töchtern des ZDFs ausdrücklich solche Aktivi­täten gestattet. Selbst­ver­ständlich könnten wir uns als Produ­zen­ten­al­lianz mit einem Joint Venture für ein solches Modell inter­es­sieren. Die entspre­chenden recht­lichen, auch kartell­recht­lichen, Prüfungen werden vorge­nommen.

promedia: Ist die Anbindung an ZDF Enter­prises sicher? Denn selbst bei der kommer­zi­ellen Tätigkeit von Töchtern von ARD oder ZDF tauchten in der Vergan­genheit immer Bedenken der Quersub­ven­tio­nierung auf. Wäre es nicht besser, eine neutrale GmbH zu bilden?
Palmer: Nach meinem Kennt­nis­stand hat ZDF Enter­prises bereits einen Antrag beim ZDF-Verwal­tungsrat für die Gestattung eines entspre­chenden Geschäfts­mo­dells durch das Gremium gebracht. Die Grund­ent­scheidung beim ZDF scheint also gefallen zu sein.

promedia: Das heißt, aus Ihrer Sicht betrachtet ist das Entschei­dende, dass so eine gemeinsame Gesell­schaft mit dem ZDF überhaupt zustande kommt, bei der Sie auf gleicher Augenhöhe über die Gewinne entscheiden können?
Palmer: Wir sehen große Chancen in diesem Markt. Neben einem besseren, effizi­en­teren Auslands­ver­trieb sehen wir besonders hohe Poten­ziale bei VoD für zusätz­liche Erlös­quellen. Wir haben uns noch nicht endgültig entschieden, zwingend in eine solche Plattform gesell­schafts­rechtlich hinein­zu­gehen, aber wir sind der Meinung, dass in diesem Bereich Verwer­tungs­er­träge von erheb­lichem Umfang liegen können. Deshalb werden wir dieses Thema verant­wor­tungs­be­wusst, rasch und gründlich prüfen mit dem Ziel in eine solche Gesell­schaft zu gehen, wenn das Modell trägt und die Prognosen belastbar sind.

promedia: Hängt damit auch die Frage des Rechte­rück­falls zusammen, der anders als bei der ARD beim ZDF-Abkommen nicht als Automa­tismus geklärt ist? Wollen Sie hier erst einmal abwarten, ob eine gemeinsame Vermark­tungs­plattform zustande kommt?
Palmer: Nein. Wir sind beim Rechte­rückfall zu einem etwas anderen Modell als mit der ARD gekommen, weil wir mit der ARD vereinbart haben, dass wir rückwirkend auf den 1. März 2008 nach fünf Jahren ab Frühjahr 2013 den Rechte­rückfall erproben – aber nicht als Automa­tismus, sondern auf Antrag des Produ­zenten, wenn er Nutzungs- bzw. Verwer­tungs­chancen sieht.

Dann haben wir uns einen Evalu­ie­rungs­zeitraum für das restliche Jahr 2013 genommen, weil zum Ende 2013 die Verein­barung mit der ARD ausläuft. Wir werden also ungefähr acht Monate Zeit haben zu analy­sieren, ob die Produ­zenten diese Klausel, die ihnen ermög­licht Rechte zurück­zu­fordern, nutzen und damit etwas anfangen können. Anfang 2014 läuft dann auch die ZDF-Verein­barung aus, so dass wir dann in der Lage sind, mit beiden Partnern ARD und ZDF im Lichte der Erfah­rungen, die wir mit der ARD getroffen haben, die Frage des Rechte­rück­falls als zentrales Thema für die zukünftige Strategie neu zu disku­tieren. Wir haben also an der Stelle nichts vergeben, was wir jetzt zwingend haben müssten.

promedia: Inwieweit könnte sich Ihre Verein­barung mit dem ZDF auf die Rundfunk­ge­bühren auswirken?
Palmer: Einen direkten Zusam­menhang mit den Rundfunk­ge­bühren wird man nicht konsta­tieren können. Aller­dings ist es unser Anliegen, die Produk­ti­ons­etats in den Anstalten gut ausge­stattet zu sehen. Was ist die Software des öffentlich-recht­lichen Programms in Deutschland? Es sind abwechs­lungs­reiche, kreative und attraktive Programme. Die sollen vor allem vergeben, fremd­pro­du­ziert werden. Deshalb ist es ein Irrweg in den Produk­ti­ons­etats zu sparen.

Wenn die Produk­ti­ons­etats hoch sind, hat das Auswir­kungen auf die Rundfunk­gebühr – aber nicht automa­tisch. Im Augen­blick bringt die Verein­barung mit dem ZDF, die sogar schon rückwirkend zum 1. März 2010 greift, nicht per se eine Ausweitung der Produk­ti­ons­etats, sondern in der einzelnen Produktion eine Verbes­serung. Unser Ziel ist es aber natürlich, die Produktion gegenüber den anderen Ausga­be­blöcken, zu stärken. Und wenn solche Verein­ba­rungen dann auch dazu beitragen, dass das Programm gut bleibt, manchmal sogar noch besser wird, könnte das mittelbar die Politik beein­drucken und zu dem Ergebnis führen, dass eine höhere Rundfunk­gebühr gerecht­fertigt ist.

Wir glauben, dass auch im neuen haushalts­be­zo­genen Modell der öffentlich-recht­liche Rundfunk eine Bestands- und Entwick­lungs­ga­rantie haben und gutes Programm machen können muss. Deshalb sind wir, was die zukünftige Höhe der Rundfunk­gebühr anbelangt, offen und halten nichts von einer Festschreibung auf die gegen­wärtige Höhe der Gebühren von 17,98 Euro auch für die Zukunft.

promedia: Spielte die Frage, dass eine Tendenz besteht, auch beim ZDF die Budgets für einzelne Produk­tionen zu verringern, in den Gesprächen eine Rolle?
Palmer: Diese Frage spielte in den Gesprächen keine Rolle, weil wir nirgendwo in den Papieren vereinbart haben, dass der „Tatort“ beispiels­weise 1,3 Millionen Euro kostet und das abend­fül­lende Movie von 90 Minuten 1,6 Millionen Euro. Es sollen die realis­ti­schen Kosten abgebildet werden. Mit den Papieren mit ARD und ZDF sorgen wir für mehr Haushalts­klarheit und -wahrheit. Wo ein Gap entsteht zwischen den tatsäch­lichen Kosten und der Finan­zierung in der vollfi­nan­zierten Auftrags­pro­duktion, soll dieses in Zukunft durch Rechte für den Produ­zenten abgegolten werden und es sollen auch ausdrücklich Mitfi­nan­zie­rungs­mög­lich­keiten bestehen.

Wir haben zu einem früheren Zeitpunkt mit dem ZDF über die Frage der „Ein-Millionen- Euro-Movies“, also von Stücken, die reduzierte Produk­ti­ons­kosten haben, gesprochen. Da wurde uns versi­chert, dass, wenn es im Einzelfall zu solchen Produk­ti­ons­vo­lumina kommt, diese bei den Drehtagen, der Ausstattung und den Anfor­de­rungen voll berück­sichtigt werden. Es könne nicht davon die Rede sein, dass der gleiche Aufwand für die Einzelfall-bezogenen Einzel­pro­duk­tionen im Gegenwert von einer Million Euro erfor­derlich ist.

promedia: Sie sprachen davon, dass eine erste Stufe der Verein­barung erreicht worden ist. Was muss in der zweiten Stufe folgen?
Palmer:
Wir haben eine durch­grei­fende, in der Geschichte der Auftrags­pro­duktion noch nicht dagewesene umfas­sende Verbes­serung aller Rahmen­be­din­gungen, aber im bestehenden System, erreicht. In der zweiten Stufe, die aber nicht in der Laufzeit des Vertrages aufge­rufen wird, geht es um den grund­sätz­lichen Paradig­men­wechsel. Hier müssen wir disku­tieren, ob es bei der vollfi­nan­zierten Auftrags­pro­duktion bleibt, ob diese im digitalen Zeitalter noch realis­tisch ist, oder es nicht darum geht, die Entste­hungs­kosten zwar zu ermitteln und zu finan­zieren, aber dann den Verkehrswert der Produktion dem Markt­ge­schehen zu überlassen. Bei einem solchen Paradig­men­wechsel könnten zum Beispiel die Rechte nach drei Ausstrah­lungen an den Produ­zenten zurück­ge­geben werden, nach einer ersten Ausstrahlung und zwei Wieder­ho­lungss­au­strah­lungen.

promedia: Wann rechnen Sie mit einer Einigung mit den privaten Sendern?
Palmer:
Jetzt haben wir mit dem ZDF abgeschlossen. Es wird im Geschäftsgang noch manches konkre­ti­siert und exakter definiert werden müssen. Damit werden wir bis Jahresende gut beschäftigt sein. Das Jahr 2011 wird im Zeichen der Gespräche mit den privaten Rundfunk­ver­an­staltern stehen. Aber da will ich mich genauso wenig unter Zeitdruck setzen lassen wie mit dem ZDF. Am Ende zählt das gute Ergebnis. (HH)

Aus: Promedia Nr. 11/2010, S. 26–28 – Wiedergabe mit freund­licher Geneh­migung des Promedia-Verlags.