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Deutsche Kinofilme im öffentlich-rechtlichen Spätprogramm (Update)

Die ARD lasse den Film „Hanami“, einen der erfolg­reichsten deutschen Filme der vergan­genen Jahre, „in der Samstags­nacht verplät­schern“, schreibt Angelika Kahl in der Münchener Abend­zeitung. Die Erstaus­strahlung laufe am Samstag um 22.15 Uhr. Massive Kritik komme deshalb von der Allianz Deutscher Produ­zenten, die , deren Vorstandsvize Uli Aselmann sagt: „Damit werden große Teile des Publikums diesen Film nicht sehen, obwohl er ein besonders erfolg­reiches Beispiel für die heutige Qualität des filmi­schen Schaffens in Deutschland ist.“ Er fragt auch: „Was macht einen deutschen erfolg­reichen Kinofilm so viel weniger attraktiv als ein Fußball­spiel, für das das Programm ja auch geändert werden kann?“ ARD-Programm­di­rektor Volker Herres lasse die Kritik nicht auf sich sitzen: „Gerade weil ,Hanami’ ein ganz beson­derer Film ist, wollten wir einen Sende­platz, auf dem wir einer­seits möglichst viele Zuschauer erreichen, der aber anderer­seits, was Genre und poten­ti­elles Publikum betrifft, in keiner zu harten Konkurrenz steht.“

„Hanami“ sei durchaus kein Einzelfall, moniere die Produ­zen­ten­al­lianz, regel­mäßig würde der deutsche Kinofilm bei den Öffentlich-Recht­lichen im Spätpro­gramm „versteckt“, schreibt Kahl weiter und bringt Beispiele: Den preis­ge­krönten Film „Vier Minuten“ mit Monica Bleibtreu und Hannah Herzsprung habe das Erste im Juni um 22.45 Uhr gezeigt – ebenfalls als Erstaus­strahlung! Auch die TV-Premieren von „Gegen die Wand“ und der Helge-Schneider-Film „Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“ seien in der Nacht gelaufen. „Die fetten Jahre sind vorbei“ habe es trotz Preisen und 880 000 Kinozu­schauern nichtmal ins Erste geschafft, den Film mit Julia Jentsch und Daniel Brühl habe der SWR an einem Mittwoch um 22.30 Uhr gezeigt: Zu späte Kirsch­blüte (nicht online, Abend­zeitung vom 19. November 2010, Seite 19 – Medien)

Der Streit um „Hanami“ beschreibe das zwiespältige Verhältnis der öffentlich-recht­lichen Sender zu den Kinoma­chern, schreibt Katharina Dockhorn in Neues Deutschland (Ausgabe vom 20.11.2010). Feste Sende­plätze für promi­nente Spiel­filme im Haupt­abend­pro­gramm seien bei ARD und ZDF sowie den dritten Programmen in den vergan­genen Jahren verschwunden. Ein riesiger, attrak­tiver Programm­schatz, der mit dem Geld des Gebühren- und Steuer­zahlers entstanden ist, liege so brach. „Wir haben mit dem ,SommerKino‘ und der ,Debüt‘-Reihe attraktive Sende­plätze für den Film. Und ,Budden­brooks‘, den wir am 27. und 28. Dezember bringen werden, belegt, dass wir für eine Event-Program­mierung den begehr­testes Sende­platz im deutschen Fernsehen, direkt nach der 20-Uhr-,Tagesschau‘, frei räumen“ – so beschreibe ARD-Programm­di­rektor Volker Herres die Philo­sophie des Ersten. „Das deutsche Filmschaffen kann quali­tativ und quanti­tativ einen wöchent­lichen Sende­platz um 20.15 Uhr ausfüllen“, bringe dagegen Matthias Schwarz, Vorstand Film der Produ­zen­ten­al­lianz, die Meinung der Macher auf den Punkt: Perlen im Nacht­pro­gramm versteckt (frei zugänglich)