[Archiv] News bis 31.12.2021

Ein Meister des Mediums

Zum Tod von Bernd Burge­meister (1945–2008)

Er beherrschte die ganze Klaviatur des Fernsehens. Egal ob der Weihnachts­mehr­teiler für Jugend­liche, den das ZDF viele Jahre ausstrahlte, ob die Krimi­nal­reihen „Das Duo“ oder „Abel“ oder „Tatort“, ob besonders anspruchs­volle Fernseh­filme wie „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, „Marias letzte Reise“ und „Das wahre Leben“  oder Kinofilme wie „Der alte Affe Angst“ oder die Oscar­ge­krönte Verfilmung der Geschichte von Sophie Scholl – Bernd Burge­meister, der am Wochenende plötzlich verstorbene Produzent hat mit seinen Werken Fernseh- und Kinoge­schichte geschrieben. Darüber hinaus war er seit Jahrzehnten für die Belange der Branche engagiert. Er war seit 1992 Mitglied des Vorstands und seit 1998 Vorsit­zender des Bundes­ver­bands der deutschen Fernseh­pro­duzenten. Seit mehr als 10 Jahren war er auch Geschäfts­führer der VFF Verwer­tungs­ge­sell­schaft der Film- und Fernseh­pro­du­zenten mbH. Er wurde nur 63 Jahre alt.

Vor genau 30 Jahren stieg er bei seinem Kollegen und väter­lichen Freund Claus Hardt bei der Münchner Firma TV 60 ein, die er zu einer der wichtigsten unabhän­gigen Produk­ti­ons­firmen ausbaute. Mit unermüd­lichem Gespür für die Inter­essen des Publikums, das er gleich­zeitig auch forderte, pflegte er die gehobene Unter­haltung ebenso, wie er immer wieder die wichtigsten gesell­schafts­po­li­ti­schen Themen in Fernseh­filmen behan­delte.

Bevor er im Alter von 33 Jahren selbstän­diger Produzent wurde, hatte er das Gewerbe von der Pike auf gelernt. Nach seinem Realschul­ab­schluss begann er 1960 seine Ausbildung im Produk­ti­ons­ge­werbe und arbeitete von 1965 bis 1972 als Produk­ti­ons­leiter  und Herstel­lungs­leiter, bis er 1973 vom ZDF-Programm­di­rektor Josef Vie­höfer als Assistent engagiert wurde. Dessen Nachfolger Gerhard Prager und Dieter Stolte übernahmen ihn anschließend jeweils in dieser Funktion, bis er 1978 sich selbständig machte.

Burge­meisters großer Erfolg beruhte vor allem auf seiner Bereit­schaft, sich zu engagieren. War er von einem Film, einem Thema, einem Regisseur oder den Darstellern überzeugt, dann war er auch bereit mit langen Diskus­sionen sich darauf einzu­lassen, um es durch­zu­setzen und auf bestmög­liche Weise zu verwirk­lichen. Nicht zuletzt dieser Eigen­schaft verdankte er, dass alle immer wieder mit ihm zusam­men­ar­beiten wollten und dass die Arbeiten entspre­chend honoriert wurde. Er war der Meister des Erfolgs sowohl bei der Zuschau­er­quote als auch bei den Preisen von Festivals und Wettbe­werben.

Er war auch ein treuer Produzent seinen Schau­spielern gegenüber: Senta Berger, Nina von Kunzendorf, Char­lotte Schwab, Anneke Kim Sarnau, Friedrich von Thun, Günther Maria Halmer wurden in seinen Produk­tionen immer noch populärer und er verließ sich gerne auf sie – wie sie sich auf ihn.

Bei all der Freude, die am schöp­fe­ri­schen Dialog hatte und sich inhaltlich engagiere, vergaß er nicht, dass die Rolle des Produ­zenten in Deutschland nicht einfach ist. Unermüdlich kämpfe er dafür, dass die Rolle der Produ­zenten gleich­be­rechtigt neben den Sendern wahrge­nommen wurde. In den zehn Jahren seines Vorsitzes beim Bundes­verband Deutscher Fernseh­pro­du­zenten und in den zahlreichen sonstigen Ämtern, die er bekleidete – von der Filmfö­de­rungs­an­stalt bis zur SPIO – kämpfte er dafür, dass gerade die kleinen und mittleren Pro­duzenten neben den großen oft konzern­ab­hän­gigen Produ­zenten ihre Chance bekamen. Er war es auch, der es mit großem takti­schem Geschick geschafft hat, die häufig wider­stre­benden Inter­essen der Produ­zenten in der neuen „Allianz Deutscher Produ­zenten – Film & Fernsehen“ zusammen zu fassen. Dafür zog er sich selbst von der Spitze seines Verbandes zurück, vielleicht auch um in Zukunft etwas mehr wieder seinen eigenen Inter­essen nachgehen zu können. Dazu ist es nicht mehr gekommen. Die deutsche Film- und Fernseh­land­schaft hat einen ihrer ganz Großen verloren. Sein Sohn Sven, der bereits seit einigen Jahren in der Firma als Produzent an seiner Seite stand, wird sein Werk fortsetzen. Niemand kann aber vergessen, was die Zuschauer und die Branche ihm alles verdanken.

Allianz Deutscher Produ­zenten – Film & Fernsehen