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Beitrag

Garant der Kulturvielfalt –
Film- und Fernsehproduktionen als Herausforderung der deutschen Medienpolitik

von Christoph E. Palmer

Die Filmpro­duktion in Deutschland kann auf eine gut einhun­dert­jährige Geschichte zurück­blicken. Der Film hat sich vom Propa­gan­da­werkzeug des Ersten Weltkrieges bereits in der Weimarer Republik zu einer eigen­stän­digen ästhe­ti­schen Kunstform weiter­ent­wi­ckelt, zunächst als Stummfilm und in Schwarz-Weiß, später als Ton- und Farbfilm. Eine im inter­na­tio­nalen Vergleich durchaus beacht­liche Filmwirt­schaft etablierte sich in den 1920er-Jahren. Deutsche Filmpio­niere wie Carl Lämmle trugen schon in den 1920er-Jahren zur Entwicklung auch der US-Filmin­dustrie bei. Einem großen perso­nellen Aderlass der Kreativen nach der Macht­er­greifung der Natio­nal­so­zia­listen – vorwiegend nach Hollywood – folgte die überwiegend willige Indienst­stellung des Films und seiner Akteure in das ausge­klü­gelte Macht­system des NS-Regimes. Propa­gan­da­mi­nister Joseph Goebbels forcierte das filmische Schaffen in Deutschland und entwi­ckelte den Film zu einem zentralen Erzie­hungs- und PR-Apparat des Systems. Eine deutsche Filmin­dustrie entstand, die bis in die letzten Kriegstage hinein produ­zierte.

Die Alliierten zerschlugen diese in ihren Besat­zungs­zonen und setzten statt­dessen auf eine kontrol­lierbare, mittel­stän­disch ausge­richtete Filmpro­duk­ti­ons­wirt­schaft. Macht­volle Filmkon­zerne mit Einfluss und unregu­lier­barem Eigen­leben sollten vermieden werden. Die Grundlage für die heutigen dezen­tralen, vielfäl­tigen, durch Klein- und Mittel­be­triebe geprägten Struk­turen war also früh gelegt. Neben (West-)Berlin und Potsdam (DDR) etablierte sich München als die deutsche Filmstadt der Nachkriegszeit. Eine gewisse Rolle nahm im Laufe der Jahre Hamburg ein, gerade bei den aktuellen Sendungen und auch dem Werbefilm. Nicht zuletzt durch die beherzte Stand­ort­po­litik Nordrhein-Westfalens ab den  80er-Jahren etablierte sich mit Köln ein vierter Produk­ti­ons­standort, vorwiegend bedeutsam für Unter­hal­tungs­formate. Nach der Wieder­ver­ei­nigung setzte ein regel­rechter, bis heute anhal­tender Run der Kreativen und der Filmpro­duk­ti­ons­wirt­schaft auf Berlin ein.

Regional vielfältig

Die dezen­trale Gestalt der dualen Medien­ordnung in der Bundes­re­publik Deutschland und die Inten­si­vierung der Länder­för­de­rungen in den vergan­genen zwei Jahrzehnten haben das regionale Bild der deutschen Film- und Fernseh­pro­duk­ti­ons­wirt­schaft noch vielfäl­tiger werden lassen. So sind heute zum Beispiel in Leipzig und Stuttgart/Ludwigsburg, in Frankfurt und Düsseldorf durchaus lebendige Produk­ti­ons­szenen entstanden. Film- und Fernseh­pro­duktion in unserem Land ist – ganz anders als in den USA oder Frank­reich – also eine föderal geprägte Veran­staltung bis hin zu einem mitunter sogenannten „Förder-Tourismus“. Freilich wäre zu hoffen, dass sich manche filmpo­li­tisch eher später auf den Plan getretene Länder einer stärkeren Fokus­sierung verpflichten würden. Zu einem erfolg­reichen föderalen Modell gehört auch eine gewisse Aufga­ben­teilung: Die Länder etwa könnten sich in Zukunft im Kinder- und Jugend­pro­gramm, beim animi­tierten Film inklusive Special Effects oder bei Dokumen­ta­tionen profi­lieren.

Mit Fug und Recht lässt sich sagen, dass die Einrichtung eines Staats­mi­nisters für Kultur und Medien (BKM) beim Bundes­kanzler im Jahre 1998 der Filmför­derung in Deutschland gut bekommen ist. Ursprüng­liche Befürch­tungen vor der „zentral­staat­lichen Wucht“ einer solchen Insti­tution waren unbegründet. Alle bishe­rigen Amtsin­haber haben sich auch um die Filmpo­litik und Filmwirt­schaft in unserem Land bemüht, mit beson­derer Inten­sität jedoch der filmaffine Bernd Neumann seit 2005. Unter seiner Regie wurde unter anderem der steuer­fi­nan­zierte Deutsche Filmför­der­fonds (DFFF) – gerade auch für inter­na­tionale in Deutschland herge­stellte Produk­tionen – geschaffen, der mit jährlich sechzig Millionen Euro ausge­stattet ist, die Förder­tä­tigkeit der FFA verstetigt und zuletzt ein Kredit­fi­nan­zie­rungs­pro­gramm für die Filmbranche bei der KfW geschaffen (2011). Erfolge blieben nicht aus: Der Anteil deutscher Produkte im Kino hat sich über die Jahre hinweg bei nun immerhin rund fünfund­zwanzig Prozent einge­pendelt, inter­na­tionale Erfolge bis hin zum Gewinn von Oscars waren zu verzeichnen. Der deutsche Film glänzt bei Wettbe­werben und erfreut sich national und inter­na­tional wieder hohen Ansehens.

Der Filmproduzent

Ein festes Berufsbild für den zentralen Akteur des kreativen und wirtschaft­lichen Prozesses des filmi­schen Schaffens gibt es nicht. Konsens herrscht aber darüber, dass der Produzent die Gesamt­ver­ant­wortung für das Produkt „Film“ trägt. Im erstmals 2011 vorge­stellten „Leitbild“ des Filmpro­du­zenten werden fünf Merkmale genannt: Er ist kreativer Motor in allen Phasen der Filment­stehung, von der Idee bis zur Endfer­tigung. Er trägt die wirtschaft­liche Verant­wortung. Er steuert den kompletten Entste­hungs­prozess des Werkes. Er stellt das Team der Handelnden zusammen. Er kümmert sich um die Auswertung und Vermarktung des fertigen Produkts (vergleiche Leitbild: Der Filmpro­duzent).

Interessenvertretung

Neben kleineren Fach- und Regio­nal­ver­bänden der Film- und Fernseh­pro­duk­ti­ons­wirt­schaft existiert in Deutschland – seit dem Zusam­men­schluss der bis dato zersplit­terten Branche im Jahre 2008 – als zentrale Inter­es­sen­ver­tretung die „Allianz Deutscher Produ­zenten – Film und Fernsehen e. V.“ mit Sitzen in Berlin und in München, die heute rund 220 relevante Firmen umfasst und in sechs Genre­sek­tionen gegliedert ist, die den Ausprä­gungen des filmi­schen Schaffens folgen: TV- Fiction, TV-Enter­tainment, Kinofilm, Anima­ti­onsfilm, Dokumen­ta­ti­onsfilm und Werbefilm. Ihre Mitglieds­firmen reprä­sen­tieren heute achtzig bis neunzig Prozent des inlän­di­schen Produk­ti­ons­vo­lumens. Die Produ­zen­ten­al­lianz umfasst die unabhän­gigen Produk­ti­ons­be­triebe vorwiegend mittlerer und kleinerer Prove­nienz ebenso wie die der öffentlich- recht­lichen und privaten Sender­töchter. Damit ist erstmals die deutsche Produk­ti­ons­wirt­schaft einheitlich formiert und kann geschlossen gegenüber Politik, Auftrag­gebern (Sendern), Filmschaf­fenden, Verwertern und in der Öffent­lichkeit auftreten.

Marktsituation

Exakte Markt­zahlen sind schwierig zu ermitteln, da im TV-Auftrags­markt Deutschland – anders als bei der Kinopro­duktion – keine wirkliche Trans­parenz über die Volumina besteht. Ein Charak­te­ris­tikum der deutschen Fernseh­pro­duk­ti­ons­wirt­schaft ist, dass fast ausschließlich auf Auftrags­basis produ­ziert oder kopro­du­ziert wird. Eine TV-Produktion geht erst dann in die konkrete Produktion, wenn dazu ein Auftrag erteilt ist (der in der Folge auch die Ausstrahlung bezie­hungs­weise Abspielung garan­tiert) und/oder Förderungszusage(n) vorliegen. Man wird daher nur mehr von einer einge­schränkten Markt­si­tuation sprechen können. Im TV-Markt der Bundes­re­publik gibt es mit ARD, ZDF, RTL-Gruppe, Pro7Sat1-Gruppe im Wesent­lichen auch nur vier „Abnehmer“ bezie­hungs­weise Auftrag­geber, sodass die Möglich­keiten des TV-Produ­zenten doch recht einge­schränkt sind, sein Produkt unter­zu­bringen.

Fehlende Transparenz

Nicht Angebot und Nachfrage regeln also das „Markt­ge­schehen“, die Limitierung erfolgt im Wesent­lichen durch die bei den TV-Sendern zur Verfügung stehenden Produk­ti­ons­vo­lumina und die ausge­reichten Förder­gelder der (Bundes-)FFA sowie der Länder­för­de­rungen. Die Trans­parenz über den Markt sollte rasch herge­stellt werden, denn heute ist zum Beispiel ein Vergleich über die Kosten für sogenannte hausin­terne Eigen­pro­duk­tionen der Sender im Vergleich zu Auftrags­pro­duk­tionen externer Produ­zenten nicht möglich. Auch behindert die nicht vorhandene Trans­parenz jede Diskussion über den Stellenwert der Genres im Fernsehen (zum Beispiel Art und Umfang von Dokumen­ta­tionen oder des Kinder- und Jugend­pro­gramms im Verhältnis zur Show und zu Unter­hal­tungs­for­maten bezie­hungs­weise den Kosten für Sport­sen­dungen). Schät­zungen gehen davon aus, dass circa drei bis 3,5 Milli­arden Euro pro Jahr für die TV-Auftrags­pro­duktion (davon siebzig bis fünfund­siebzig Prozent bei den öffentlich-recht­lichen Anstalten) in Deutschland zur Verfügung stehen. Dem gegenüber steht ein Produk­ti­ons­vo­lumen beim deutschen Kinofilm in Höhe von circa fünfhundert Millionen Euro. Zusammen mit dem Werbe­film­be­reich dürfte die Branche zwischen 4,5 und 5,0 Milli­arden Euro umsetzen. Die Zahl der Beschäf­tigten dürfte zwischen 15 000 und 20 000 Festan­ge­stellten liegen, neben bis zu 40 000 Menschen, die befristet bezie­hungs­weise auf Projekt­basis beschäftigt sind.

Das Produk­ti­ons­ge­schehen in Deutschland war von circa 1980 bis zur Jahrhun­dert­wende 2000 von jährlich zweistellig wachsenden Volumina geprägt, seitdem ist eine Stagnation, ja ein Rückgang der zur Verfügung stehenden Programm­budgets zu konsta­tieren. Das hat in den vergan­genen Jahren den wirtschaft­lichen Druck auf die mittel­stän­disch verfasste Produk­ti­ons­wirt­schaft gewaltig erhöht: Immer mehr Markt­teil­nehmer konkur­rieren um einen tenden­ziell stetig kleiner werdenden Auftrags­markt. Dazu kommt, dass die Geste­hungs­kosten der Produk­tionen bei nahezu gleich­blei­benden Einzel­budgets immer kosten­in­ten­siver werden: Die Technik ist ebenso teurer geworden wie die Honorare der Filmschaf­fenden, die Produk­ti­ons­ne­ben­kosten folgen mindestens der Infla­ti­ons­ent­wicklung, zusätz­liche Urheber­er­lös­be­tei­li­gungen stehen in Zukunft an.

Auf der einen Seite sind neue Firmen immer auch Spiegelbild der erfolg­reichen filmi­schen Ausbil­dungs­praxis an den zahlreichen Filmhoch­schulen in Deutschland und ein leben­diger Kreati­vi­tätspool. In „Filmfa­briken“ wachsen in der Regel keine Ideen und Talente. Auch deshalb verzichten selbst die wenigen größeren Filmgruppen in Deutschland nicht auf ein regel­rechtes Konglo­merat von Einzel­firmen. Auf der anderen Seite ist der Verdrän­gungs­druck am Filmmarkt in Deutschland hoch, die Eigen­ka­pi­tal­aus­stattung der meisten Firmen nicht nennenswert, und schon das Ausbleiben einer erwar­teten Produktion bezie­hungs­weise die notwendige (Vor-)Finanzierung der Entwick­lungs­kosten innova­tiver Formate und Ideen überfordert selbst angesehene Markt­teil­nehmer. Freilich gilt auch, dass etwa im Bereich der Unter­hal­tungs­formate, aber auch bei hohen Serien­pro­duk­ti­ons­an­teilen weiterhin ertrag­reich gewirt­schaftet werden kann.

Neue Chancen

Seit Jahren wird über die Inten­si­vierung des inter­na­tio­nalen Vertriebs von deutschen Kino- und Fernseh­pro­duk­tionen disku­tiert. Die Erfolge dabei sind bislang sehr beschränkt. Neben der bekannten Sprach­bar­riere ist zu konsta­tieren, dass „die europäische Fernseh­land­schaft nach wie vor ein national segmen­tiertes Labyrinth von Sendern und Produk­ti­ons­un­ter­nehmen“ (Johannes Kreile: „Ist Vielzahl Vielfalt?“, Seite 198, in: S. Schneider/H. Zehetmair [Hrsg.]: Perspek­tiven einer wertori­en­tierten Medien­po­litik. München 2011) darstellt. Die europäi­schen Media-Programme haben daran wenig geändert. Aber nur der Vertrieb in neue Märkte hinein kann der Produk­ti­ons­wirt­schaft auch neue Erlös­quellen eröffnen. Deshalb sind alle Ansätze zu einer besseren inter­na­tio­nalen Markt­er­schließung zu begrüßen.

Noch zentraler dürften die Aktivi­täten der Produk­ti­ons­wirt­schaft auf den Video-on-Demand-(VoD-)Märkten sein. Zwar dominiert zunächst weiterhin das lineare Fernsehen, doch immer stärker nachge­fragt werden Abspiel­mög­lich­keiten auf Bestellung („on Demand“). Die zahlreicher werdenden VoD-Platt­formen eröffnen ganz neue Markt­chancen, die von der Produk­ti­ons­wirt­schaft entschlossen genutzt werden sollten. Dem Nutzer steht in Zukunft – ohne Zusatz­geräte – ein quasi unbegrenzter Auswahl­markt zur indivi­du­ellen Dispo­sition zur Verfügung. Dieser kann sich aus Pay- und Werbe­er­trägen speisen und ein erfolg­reiches Geschäfts­modell darstellen.

Auch das Erscheinen neuer Abnehmer öffnet den Markt. Das ameri­ka­nische Google-TV hat zum Beispiel angekündigt, in relevantem Umfang in die TV- Auftrags­pro­duktion einzu­steigen, auch in Europa. In der Google-Tochter „YouTube“ werden neue Markt­mo­delle bereits erprobt, auch mit Betei­ligung deutscher Produ­zenten.

Unzulängliche Rechtesituation

Ein Kardi­nal­problem der deutschen Produk­ti­ons­wirt­schaft ist die unzuläng­liche Rechte­si­tuation. Im Gegensatz etwa zu Großbri­tannien herrscht in Deutschland von jeher im Fernseh­markt ein „Total Buy-out“-System. Im Gegenzug zur Auftrags­fi­nan­zierung müssen die Produ­zenten den Sendern (nahezu) alle Rechte ad ultimo überlassen. Eine zusätz­liche Wertschöpfung – etwa nach garan­tierter Erstaus­strahlung und limitierter Zahl von Wieder­ho­lungen – ist also nicht möglich. Dieses Modell geht von der irrigen Annahme aus, dass mit der Übernahme der Produk­ti­ons­kosten auch der dauer­hafte „Verkehrswert“ der Produktion festge­setzt und vergütet worden sei. Ein echter Zweit­markt für die Filme hat sich so im TV-Markt nicht entwi­ckelt. Für das Gros aller Produk­tionen kommt es auch gar nicht zu nachhal­tigen Bemühungen um eine erfolg­reiche Platzierung auf den inter­na­tio­nalen Märkten oder in sonstigen Vertriebs­ka­nälen. Der Produzent wiederum, der auf alle Rechte verzichten muss, kann diese auch nicht als Sicherheit für Kredite einsetzen, bilan­ziell abbilden oder gar auf eigene Rechnung um zusätz­liche Erlöse bemüht sein.

Das Problem immerhin ist erkannt: Im 12. Rundfunk­än­de­rungs­staats­vertrag von 2008 haben die Länder zumindest den öffentlich-recht­lichen Rundfunk­an­stalten eine klare Hausaufgabe erteilt: Die Länder bekannten sich in einer Proto­koll­notiz zu ausge­wo­genen Vertrags­be­din­gungen und einer faireren Aufteilung der Verwer­tungs­rechte. Daraufhin kam endlich Bewegung in die Vertrags­be­zie­hungen zwischen Produ­zenten und Auftrag­gebern. Die „Allianz Deutscher Produ­zenten“ konnte zunächst mit der ARD 2009 und etwas später – 2010 – auch mit dem ZDF Eckpunk­te­pa­piere zu allge­meinen Vertrags­be­zie­hungen verab­schieden. Darin sind unter anderem nachhaltige Verbes­se­rungen der Kalku­la­ti­ons­grund­lagen, der Zahlungs­ziele, der Produ­zen­ten­bindung und Erlös­be­tei­li­gungen enthalten.

Kulturvielfalt fördern

Vor allem aber wurde auch das so zentrale Rechtethema erstmals verhandelt. Aus Sicht der deutschen Produk­ti­ons­wirt­schaft freilich zunächst nur mit kleinen, zurück­hal­tenden ersten Schritten. Mit der ARD hat die deutsche Produk­ti­ons­wirt­schaft die grund­sätz­liche Verein­barung geschlossen, dass mit Stichtag 1. März 2008 bei Produk­tionen, die nicht innerhalb von fünf Jahren verwertet wurden, auf Antrag eine eigene Verwertung durch den Produ­zenten statt­finden kann, Rechte also „zurück­fallen“. Mit dem ZDF gelang noch keine so weitrei­chende Regelung. Hier war man zunächst nur zu einer Flexi­bi­li­sierung der Mitfi­nan­zie­rungs­regeln – gegen Rechte­teilung – im Einzelfall bereit. Trotzdem konnten also erste Breschen in die Bastion des „totalen Rechte-Buy-outs“ geschlagen werden.

Die Praxis wird zeigen, in welchem Ausmaß Rechte zur Eigen­aus­wertung zurück­ge­rufen werden. Bis zu einem durch­grei­fenden Paradig­men­wechsel bei den sogenannten „Terms of Trade“, die den Produ­zenten als Werkschöpfer auch befähigen, sein Produkt zu besitzen, ist es noch ein weiter Weg. Mit den privaten Sendern ist man von solchen Verein­ba­rungen noch viel weiter entfernt, auch wenn sich für einzelne Produ­zenten hier durch eine starke Markt­stellung – nicht zuletzt durch (besonders) erfolg­reiche Formate und Stars – in Einzel­fällen schon deutlich bessere Kondi­tionen abzeichnen.

Eine starke Produk­ti­ons­wirt­schaft in Deutschland ist nicht nur ein unerschöpf­liches Kreati­vi­täts­re­servoir von Geschichten und Menschen, sondern auch Garant der notwen­digen Meinungsund Kultur­vielfalt sowie ein wirkungs­voller Beitrag zur Sicherung der kultu­rellen Identität unseres Landes. Die Medien­po­litik in Bund und Ländern sollte die zentrale Funktion der Film- und Fernseh­pro­duk­ti­ons­wirt­schaft daher stärker berück­sich­tigen.

Gastbeitrag von Christoph E. Palmer in „Die Politische Meinung – Monats­schrift zu Fragen der Zeit“ Juli/August 2012 (ISSN 0032-3446) Wiedergabe mit freund­licher Geneh­migung der Konrad-Adenauer-Stiftung.