[Archiv] News bis 31.12.2021

Hoesch: Budgets für Dokumentationen um 25 % gesunken

Im Interview mit der Funkkor­re­spondenz wundert sich der Dokumen­tar­film­pro­duzent Leopold Hoesch (Broadview TV) darüber, dass sein Film „Klitschko“, der ohne TV-Betei­ligung finan­ziert wurde, praktisch in jedem Land der Welt gesendet wird, nur nicht in Deutschland. Seine Erklärung: „Wenn der ins System des deutschen Fernsehens keinen Eingang zum Markt­preis findet, ist das ein weiterer Beleg dafür, dass, wie in Oligo­polen üblich, nicht die Anbieter, sondern die Nachfrager den Markt machen.“ Ansonsten mag Hoesch das deutsche Fernsehen: „Angesichts der Quali­täten des deutschen Fernsehens in der Breite und in der Tiefe muss man sich im inter­na­tio­nalen Vergleich überhaupt nicht verstecken.“

Angesichts des „nicht gerade knappen“ Gebüh­ren­auf­kommens hat er für Sparzwänge beim Programm aller­dings kein Verständnis: „Nur aus meiner eigenen Beobachtung heraus sind bei den Dokumen­ta­tionen die Budgets in den letzten Jahren um zirka 25 Prozent gesunken.“ Aber seine eigent­liche Kritik setzt woanders an: „Produ­zenten müssen Anreize haben, echte Unter­nehmer zu werden. Diese Anreize suchen sie im deutschen Fernse­holi­gopol, liebevoll umschrieben als duales System, meist aber erfolglos. Solange die Sender auf dem Total-Buyout-Prinzip beharren, wonach Produ­zenten alle, wirklich alle Rechte an einer Produktion abtreten müssen, kann da kein echtes Unter­neh­mertum, geschweige denn Wettbewerb entstehen.“ ARD und ZDF horteten über Jahre in ihren Schub­laden totes Kapital, mit dem Produ­zenten wirtschaften und beginnen könnten, echte Unter­nehmen zu werden, die auch den deutschen Markt besser machen würden: „Wenn man bedenkt, wie viel Geld in den deutschen Dokumen­tarfilm inves­tiert wird und dass er gleich­zeitig trotz seiner allseits anerkannten Quali­täten auf dem inter­na­tio­nalen Markt so gut wie keine Rolle spielt, ist das ein ungesundes Missver­hältnis“: Weg mit der Taxifahrer-Menta­lität (frei zugänglich)