[Archiv] News bis 31.12.2021

Ki.KA-Affäre (X): Künftig noch weitere Betrugsfälle?

Der Anwalt des inhaf­tierten KI.KA-Herstellungsleiter K., Stephan Rochlitz, habe angekündigt, dass sein Mandant „im Laufe des Verfahrens auf jeden Fall alles dazu beitragen wird, den Sachverhalt wahrheits­gemäß aufzu­klären. Dazu wird er natürlich auch zu den Struk­turen im Kika Stellung nehmen“, schreibt Olaf Sundermeyer in der Frank­furter Allge­meinen. Rochlitz sehe „eine gewisse Mitver­ant­wortung des Senders an dem Sachverhalt“. Auf Anfrage habe Kika-Programm­ge­schäfts­führer Steffen Kottkamp nicht ausschließen wollen, dass künftig noch weitere Betrugs­fälle bekannt werden. Inzwi­schen könne man von einem „System K.“ sprechen, in das neben den beiden Produk­ti­ons­firmen noch zwei Verwal­tungs­mit­ar­beiter aus der Buchhaltung und aus der Herstel­lungs­leitung des Kika verwi­ckelt gewesen sein sollen, „aller­dings ohne sich selbst zu berei­chern“. Inzwi­schen wachse das Misstrauen unter der Kika-Beleg­schaft, die sich selbst in diesem Fall aus den Medien infor­miert. Auftrags­firmen, mit denen man täglich das Programm gestaltet, ständen unter Verdacht unred­licher Aktivi­täten.

Nichts sei an K. vorbei­ge­gangen, auch nicht die Revision des MDR, schreibt Sundermeyer weiter und zitiert Kottkamp: „Als Herstel­lungs­leiter war er schließlich der zentrale Ansprech­partner für die Revision. Er war auch damit beauf­tragt, die Prüfemp­feh­lungen umzusetzen."

"K. war gleich­zeitig auch Abwesen­heits­ver­treter. Der Programm­ge­schäfts­führer einer Gemein­schafts­ein­richtung von ARD und ZDF ist ja qua Definition viel unterwegs, und daraus ergab sich unter anderem diese hohe Zeich­nungs­be­rech­tigung." In der Kritik stehe auch der ehemalige KI.KA-Geschäftsführer und heutige NDR-Fernseh­di­rektor Frank Beckmann, der für K. eine Ausnah­me­ge­neh­migung beantragt hatte, nach der dieser zu 500.000 Euro freigeben konnte: Perfekter Arbeits­platz für einen Betrüger (FAZ, 19.01.2011, Nr. 15 / Seite 33 – Medien)

Nach dem Stand der Unter­su­chungen solle K. rücksichtslos seine starke Stellung im Sender ausge­nutzt haben und mögliche Verun­treu­ungen teils von langer Hand einge­fädelt haben, schreibt Chris­tiane Kohl in der Süddeut­schen Zeitung. So sei der Herstel­lungs­leiter beispiels­weise an der Haushalts­planung beteiligt gewesen, wonbei er vermutlich „die zu verun­treu­enden Gelder schon im Voraus in das Budget mit einge­plant“ habe: Fassungslos (SZ vom 19.01.2011, Medien­seite)