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Kinofilm-Resolution: Koproduktionen und Filmförderung durch öffentlich-rechtliche Sender „keine wohltätige Geste“

„Kraftvoll“ habe die Filmbranche ARD und ZDF an ihre kultu­relle Verant­wortung und Verpflichtung gegenüber dem Kinofilm erinnert, berichtete Blickpunkt:Film am Freitag: Über ein Dutzend Branchen­ver­bände verlangten von den öffentlich-recht­lichen Anstalten in einer gemein­samen Resolution, den Kinofilm nicht weiter auf dem Programm-Abstell­gleis zu parken: Resolution: Kinofilm muss raus aus der TV-Nische!

Eine Allianz aus führenden Verbänden der Filmin­dustrie habe die öffentlich-recht­lichen Sender dazu aufge­fordert, mehr Geld für die Produktion von Kinofilmen auszu­geben, schreibt Morton Freidel in der Frank­furter Allge­meinen (Freitags­ausgabe). In einer Resolution heiße es: „ARD und ZDF müssen sich zum Kinofilm bekennen!“ Nicht nur befinde sich die Ausstrahlung kulturell wertvoller Kinofilme seit Jahren auf dem Rückzug, es würden überdies „die Budgets einge­froren bezie­hungs­weise für mehrere Jahre ganz gekappt“
Die Kürzungen ließen sich schon seit Jahren beobachten, habe Maria Köpf, stell­ver­tre­tende Vorsit­zende der Produ­zen­ten­al­lianz-Sektion Kino, gesagt. Steigende Pensi­ons­zah­lungen, immense Verwal­tungs­kosten – all das wirke sich spürbar auf die Programm­qua­lität der öffentlich-recht­lichen Sender aus. „Und der Kinofilm ist das Glied in der Kette, bei dem man noch am leich­testen kürzen kann.“

ZDF und WDR hätten die Kritik zurück­ge­wiesen, so Freidel weiter. Der ZDF-Programm­di­rektor Norbert Himmler habe gesagt, man engagiere sich freiwillig über die gesetzlich festge­schriebene Abgabe­pflicht von 2,5 Prozent hinaus. Wie gern sich die ARD anderer­seits mit dem Kinofilm schmückt, zeige die am Donnerstag verschickte Presse­mit­teilung zur Vergabe des Deutschen Filmpreises: Spektakel für die Leinwand

„Glamour schafft Aufmerk­samkeit“, schreibt Chris­tiane Peitz im Tages­spiegel vom Sonnabend. Pünktlich zur Verleihung der Deutschen Filmpreise habe eine Koalition von 13 Lobby-Verbänden – darunter die Produ­zen­ten­al­lianz, der Regie- und der Schau­spieler-Verband, Kamera- und Drehbuch­gilde, AG Dok, Spitzen­or­ga­ni­sation der Filmwirt­schaft und die Deutsche Filmaka­demie – einen kollek­tiven Appell an ARD und ZDF gerichtet. Sie fordern, dass 3,5 Prozent der über 7 Milli­arden Euro Gebüh­ren­ein­nahmen dauerhaft in Kinofilme inves­tiert werden sollen. Außerdem sollen Kinofilme eine „bessere Präsenz“ im Programm erhalten , sprich: nicht erst um Mitter­nacht laufen. Auch solle sich finan­zielle Betei­ligung nicht an der Einschalt­quote, sondern an Qualität orien­tieren: Mehr Kino! (frei zugänglich)

Mit ihrer Resolution wendeten sich die Verbände und Organi­sa­tionen an die Programm­ver­ant­wort­lichen bei ARD und ZDF sowie an Rundfunkräte und die Rundfunk­ge­setz­geber in den Ländern, berichtet epd Medien und zitiert aus der Resolution: „Wir sehen in dem Engagement von ARD und ZDF für den deutschen Kinofilm keine ,Förderung‘ des deutschen Films durch die Sender.“ Kopro­duk­tionen und Filmför­derung seien „keine wohltätige Geste, die man sich sparen kann, wenn die Mittel knapp werden“: Filmver­bände fordern ARD und ZDF auf sich zum Kinofilm zu bekennen

Die Ausein­an­der­setzung über die Förderung des Kinofilms durch die öffentlich-recht­lichen Sender habe auch die Gala zum Deutschen Filmpreis erfasst, schreibt Frank Olbert im Kölner Stadt­an­zeiger. „Liebe Freunde von der ARD und dem ZDF, mit der Unter­stützung des deutschen Kinofilms leisten Sie keinen mildtä­tigen barmher­zigen Beitrag“, habe Kultur-Staats­mi­nister Bernd Neumann bei der Vergabe der Lolas in Berlin gesagt. Der Kinofilm gehöre zur Kultur, die in die Grund­ver­sor­gungs­pflicht der öffentlich-recht­lichen Sender falle – und zwar nicht als Sahne­häubchen für die Nacht­stunden, sondern als Hefe im Teig: „Oh Boy“ gewinnt Goldene Lola (frei zugänglich)

In der Presse­mit­teilung des Beauf­tragten der Bundes­re­gierung für Kultur und Medien heißt es, Kultur­staats­mi­nister Bernd Neumann habe bei der Filmpreis-Verleihung vom öffentlich-recht­lichen Fernsehen mehr Unter­stützung für den deutschen Kinofilm gefordert. Mit der Nutzung des deutschen Kinofilms in ihren Programmen leisteten ARD und ZDF keinen mildtä­tigen, barmher­zigen Beitrag, habe sagte Neumann gesagt, Kultur gehöre zur Grund­ver­sor­gungs­pflicht des öffent­lichen Rundfunks. Und zwar nicht als eine Art „Sahne­häubchen“ für die Nacht­stunden. „Und zur Kultur gehört der Kinofilm – ohne wenn und aber!“, betonte der Kultur­staats­mi­nister: Deutscher Filmpreis für „Oh Boy“ (frei zugänglich)

Unter­dessen hat sich auch der Verband der deutschen Filmkritik der Kinofilm-Resolution angeschlossen. In einer Presse­mit­teilung heißt es, „die deutsche Filmkritik“ unter­stütze die Branchen­ver­bände des deutschen Kinos „in ihrem Einsatz dafür, dass der deutsche und europäische Kinofilm im Programm der öffentlich-recht­lichen Sender wieder einen promi­nenten Platz findet, und in dem Bestreben, durch angemessene Betei­ligung an der Produktion deutscher und europäi­scher Kinofilme hochwertige Programm­an­gebote zu ermög­lichen, die dem öffentlich-recht­lichen Auftrag entsprechen.“ Der Verband der deutschen Filmkritik schließe sich daher der gemein­samen Resolution der 13 Branchen­ver­bände an. „Die deutsche Filmkritik steht an der Seite der Filmschaf­fenden!“ (nicht online)