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Kinofilme im Fernsehen: „Hanami“-Programmierung „Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte“

Die späte Sendezeit des Kinofilms „Kirsch­blüten – Hanami“ sei „der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte“, schreibt Tillmann P. Gangloff in Blickpunkt:Film. Mehrere Filmver­bände hätten gegen die TV-Ansetzung des Films um 22.15 Uhr protes­tiert. Sie forderten für deutsche Kinofilme einen wöchent­lichen Termin bei ARD und ZDF.

ARD-Programm­di­rektor Volker Herres könne die Aufregung aber nicht recht verstehen, so Gangloff weiter. Auch Herres betrachte „Kirsch­blüten“ als „ganz beson­deren Film“, für den man einen Sende­platz gesucht habe, „auf dem wir einer­seits möglichst viele Zuschauer erreichen, der aber anderer­seits, was Genre und poten­zi­elles Publikum betrifft, in keiner zu harten Konkurrenz steht“. Der spätere Termin am Samstag­abend erfülle beide Bedin­gungen. Davon abgesehen seien laut Herres „nahezu alle Filme, für die das Erste die Rechte besaß, auch um 20.15 Uhr ausge­strahlt worden“.

Laut Uli Aselmann, Produzent und Vorsit­zender der Produ­zen­ten­al­lianz-Sektion Kino habe das Engagement der öffentlich-recht­lichen Sender im Verlauf der letzten zehn Jahre jedoch deutlich nachge­lassen: „Die Verän­de­rungen bei der Finan­zie­rungs­struktur der Kinofilme sind nicht zu übersehen.“ Die Anteile der Sender durch den Ankauf von Lizenzen und Kopro­duk­ti­ons­bei­trägen sei nach Berechnung der Produ­zen­ten­al­lianz in den letzten drei Jahren von 14 auf sieben Prozent zurück­ge­gangen, die Finan­zie­rungs­lücken der einzelnen ARD-Sender seien von der ARD-Tochter Degeto nur zu einem Teil ausge­glichen worden. Auch bei den Sende­plätzen haben die Produ­zenten „erheb­liche Verän­de­rungen“ beobachtet, so sei die Zahl der Kinofilme zur Haupt­sen­dezeit mehr als halbiert worden.

Arte-Filmchef Andreas Schreit­müller erläutert, warum Kinopro­duk­tionen, „oft erst spät am Abend“ laufen: Sie „haben keine Normlänge, sie können zwischen 75 und 170 Minuten lang sein.“ Daher fänden sie im normierten Programm­schema der Sender keinen Platz.

„Bei Fußball­spielen“, stellt Uli Aselmann fest, sei es aller­dings auch kein Problem, „dass die anschlie­ßenden Nachrich­ten­sen­dungen und Programm­schemata von den üblichen Gepflo­gen­heiten abweichen". Die gesamte Entwicklung tue dem Kinofilm nicht gut. Er braucht starke Fernseh­partner. „Das Verhältnis der Inves­ti­tionen der Sender in Sport­rechte im Vergleich zu dem finan­zi­ellen Engagement für deutsche Kinofilme ist gänzlich unaus­ge­wogen.": Filmpro­du­zenten fordern feste Kinosen­de­plätze bei ARD und ZDF