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Palmer: Lage der Filmwirtschaft ist „labil“ – zu wenig Rechte – atemlose Projektarbeit / Produzentenallianz pro funktionierendem TV-Zweitverwertungsmarkt und im Einsatz für bessere Förderbedingungen der Kinofilmproduzenten

In Pro Media (Ausgabe 12/2018, S. 41-43) äußert sich Dr. Christoph Palmer, Geschäfts­führer Allianz Deutscher Produ­zenten – Film & Fernsehen „Produ­zen­ten­al­lianz“ zu der aktuellen Situation der deutschen Filmwirt­schaft, die sich auf der einen Seite gebessert habe, aber auf der anderen Seite über viele „Baustellen“ verfüge und zu anste­henden Themen der Verbands­arbeit.

Neben den zweifelsohne beacht­lichen Erfolgen des Verbands und Verbes­se­rungen für die Branche in den vergan­genen zehn Jahren, so bpw. der erwei­terten Rechte­teilung zwischen ARD und Produ­zenten, stabilen Tarif­ver­trägen, Vergü­tungs­regeln mit Autoren, Regis­seuren, Kamera­leuten, der Abbildung der Kalku­la­ti­ons­rea­lität, dem Kompromiss beim EU-Urheber­recht und der insgesamt höheren Trans­parenz bei den öffentlich-recht­lichen Sendern, bleibe festzu­halten, dass es aber nach wie vor den Betrieben nicht gelänge „Eigen­ka­pital in nennens­wertem Umfang aufzu­bauen“. Als Gründe hierfür sieht Palmer „zum einen die nicht auskömm­lichen Margen aufgrund der Budgetzwänge der Sender, zum anderen bei Fernseh­pro­duk­tionen ein fehlender Zweit­ver­wer­tungs­markt. Die Produ­zenten verfügen trotz Verbes­se­rungen über zu wenig oder keine Rechte, deshalb sind sie in der atemlosen Projekt­arbeit gebunden. Für die Entwick­lungs­arbeit fehlen in aller Regel die Ressourcen. Eine gesunde Wirtschafts­struktur sieht anders aus.“

Im Fokus der Arbeit der Produ­zen­ten­al­lianz stünden daher an kurzfris­tigen Themen an:  „eine Verstärkung der Serien­för­derung in Deutschland“, die Förder­instru­men­tarien des DFFF müssten „flexi­bi­li­siert und mit dem GMPF gegen­seitig deckungs­fähig gemacht werden“. Weiterhin sind ein wichtiges Thema die schwie­rigen Produk­ti­ons­be­din­gungen im Kinobe­reich, Palmer: „Unterhalb von Geset­zes­än­de­rungen wäre schon durch die Verän­derung von Richt­linien vieles möglich, das muss jetzt angegangen werden.“

Palmer merkt zu der Debatte über eine Indexierung der Beitrags­fest­setzung an, dass man – so es zu einer Umstellung auf dieses System komme -, sehen müsse, „dass Programm­in­ves­ti­tionen, wie wir sie mit Länder­hilfe und der Verein­barung mit den öffentlich-recht­lichen Rundfunk­an­stalten in der letzten Rundfunk­ge­büh­ren­pe­riode als Sonder­pro­gram­mittel bei der KEF erreichen konnten – um die Verbes­se­rungen der Eckpunkte umzusetzen – dann kaum mehr möglich wären. Daher wäre es bei der Umstellung auf ein Index­modell notwendig, das Programm­budget rechtlich anzusetzen.“

Im Hinblick auf die zuneh­mende Media­the­ken­nutzung betont Christoph Palmer, dass es um eine „angemessene Parti­zi­pation der Produ­zenten“ geht und sieht den gedeckelten Gewinn­auf­schlag bei Aufträgen des ZDF als einen „behut­samen Anfang“. Insbe­sondere sei dieses Thema „besonders sensibel“ im Bereich Kinofilm „bei dem der Produzent auf werthaltige Verwer­tungs­mög­lich­keiten, der nicht auf den co-produ­zie­renden Sender angewiesen ist.“

Den Kinofilm sieht der Produ­zen­ten­al­lianz-Geschäfts­führer durch Serien­eu­phorie und die zuneh­mende Förderung von Serien nicht als „verdrängt“ an. Palmer: „Die Serien­för­derung durch den GMPF ist gegenüber der Kinofilm­för­derung in Deutschland im Augen­blick noch ein sehr zartes Pflänzchen.“ Der Topf des GMPF sei im inter­na­tio­nalen Markt auch nicht „ausrei­chend dotiert“.

Eigene Anmerkung zu Pro Media:

Das medien­po­li­tische Magazin Pro Media erschien erstmal im Mai 1997 und hat seitdem pro Jahr mehr als 100 Exklu­siv­in­ter­views mit wichtigen Playern der medien- und filmpo­li­ti­schen Branche und Politik veröf­fent­licht. Die monat­liche Print­ausgabe des Magazins wird zum Ende des Jahres 2018 einge­stellt. Chefre­dakteur Helmut Hartung wird auf der Online-Präsenz www.medienpolitik.net weiterhin Beiträge und Inter­views veröf­fent­lichen, hört aber im Privat­be­reich nach 21 Jahren auf.

Wir danken als Produ­zen­ten­al­lianz an dieser Stelle Herrn Hartung für seine sachliche und kompe­tente journa­lis­tische Begleitung der Themen der Film- und Medien­po­litik in all den Jahren und können definitiv sagen, dass mit Pro Media ein wichtiges, konti­nu­ier­liches, damit verläss­liches Tool des Dialogs in der Branche wegbrechen wird.