Skip to main content
News

Über 80 Länder locken internationale Produktionen mit großzügigen Steuererleichterungen

Hollywood drehe „schon lange nicht mehr dort, wo die Geschichten der Filme spielen, sondern dort, wo es die meisten Subven­tionen gibt“, schreibt Lars-Olav Beier im Spiegel. Über 80 Länder hätten Förder­pro­gramme aufgelegt und lockten inter­na­tionale Produk­tionen mit großzü­gigen Steuer­erleich­te­rungen. Kanada habe bereits Mitte der Neunzi­ger­jahre ein Förder­pro­gramm ins Leben gerufen. Seitdem entstünden viele Filme, die in New York spielen, heute in Toronto. „Seit Jahren findet ein weltweiter Subven­ti­ons­wett­streit statt, alle buhlen um die großen Filme“, zitiert Beier den Vorstands­vor­sit­zenden von Studio Babelsberg, Carl Woebcken. Hollywood-Produ­zenten wüssten, dass sie gern gesehen sind, weil sie viel Geld mitbringen und zum Image­gewinn jedes Drehorts beitragen.

Der US-Bundes­staat Louisiana locke mit über 200 Millionen Dollar Subven­tionen pro Jahr Filmpro­duk­tionen an, wer dort drehe, bekommt eine Steuer­gut­schrift in Höhe von 30 Prozent der Kosten, so Beier weiter. Kalifornien habe sich unlängst gezwungen gesehen, sein Förder­modell massiv auszu­weiten, „damit wenigstens noch ein paar Hollywood-Filme in Hollywood entstehen“. Großbri­tannien gewähre pro Jahr Filmsub­ven­tionen von bis zu 250 Millionen Euro, die Produ­zenten dieser gäben jedes Jahr rund anderthalb Milli­arden Euro im Land aus. Die britische Regierung habe angekündigt, das Förder­pro­gramm auszu­bauen.

Nachdem der Deutsche Filmför­der­fonds DFFF von Kultur­staats­mi­nis­terin Monika Grütters um zehn Millionen Euro gekürzt wurde, seien Studio Babelsberg laut Woebckens Partner Christoph Fisser zwei Großpro­duk­tionen wegge­brochen.

Die Produ­zenten der ameri­ka­ni­schen TV-Serie „Homeland“ hätten die fünfte Staffel in Zagreb drehen wollen, obwohl sie in Berlin spielt. Kroatien habe ihnen besonders günstige Kondi­tionen geboten. Erst nach einem langen, harten Feilschen hätten sie überzeugt werden können, nach Berlin und Babelsberg zu kommen. Demnächst sollen die Drehar­beiten beginnen. Auch der neue Film der Marvel Studios, „Captain America: Civil War“, spiele in Berlin. Die Innen­auf­nahmen aber entstünden in der Nähe von Atlanta, wo der britische Pinewood-Konzern – „ermutigt durch die üppige Filmför­derung des US-Bundes­staats Georgia“ – gerade ein neues Studio gebaut hat: Die Kunst des Geschäfts (Spiegel Nr. 17, 18.4.2015, S. 120, nicht online zugänglich)