Allgemeines

Alexander Thies: „Rekordgewinne auf Kosten der Produzenten“

Blickpunkt:Film bringt in der nächsten Ausgabe ein Interview mit Alexander Thies, dem Vorsit­zenden des Gesamt­vor­stands der Produ­zen­ten­al­lianz. Mit der freund­lichen Geneh­migung des Enter­tainment Media Verlags bringen wir es hier im Wortlaut.

Nachgefragt bei Alexander Thies: „Unser Rohstoff ist Kreativität“

Mit dem Produ­zen­tenfest am 14. Juni machten die deutschen Produ­zenten öffent­lich­keits­wirksam Werbung für sich und ihre Arbeit. Alexander Thies nimmt Stellung zu aktuell drängenden Problemen.

Zwei Drittel der Mitglieder der Produ­zen­ten­al­lianz beklagen, für ihre Leistungen nicht gerecht bezahlt zu werden.
In der Werbe­krise vor drei Jahren haben die Privat­sender ihre Budgets zusam­men­ge­strichen, was wir Produ­zenten natürlich mitge­macht haben. Die Sender konnten ja nicht mehr ausgeben, als sie hatten. Nach dem Ende der Krise wurden die Budgets aller­dings nicht wieder angehoben. Heute freuen sich RTL Group und ProSiebenSat.1 Media AG regel­mäßig über Rekord­ge­winne. Die entstehen aber auf Kosten der Produ­zenten – und der Schau­spieler, Regis­seure, Autoren und aller anderen Filmschaf­fenden. Genau wie die Sparbe­mü­hungen der öffentlich-recht­lichen Sender. Die stehen zwar unter Druck, es ist aber nicht einzu­sehen, dass bei einem sicheren Gebüh­ren­vo­lumen von 7,5 Mrd. Euro die Sparschraube ausge­rechnet bei den Programm­budgets immer weiter angezogen wird, schließlich ist das Programm letztlich die Kernaufgabe der Sender.

Abgesehen von wenigen Einzel­fällen blieb das befürchtete Sterben vor allem kleinerer Produk­ti­ons­firmen bisher jedoch aus. Warum erweist sich die Produk­ti­ons­branche als so krisen­re­sistent?
Ich bin nicht sicher, ob „krisen­re­sistent“ der richtige Ausdruck ist. Die deutsche Film- und TV-Produk­ti­ons­wirt­schaft ist keine Branche, die aus Rohstoffen Produkte herstellt, die dann zu Festpreisen gehandelt werden. Unser Rohstoff ist Kreati­vität, aus der wir mit jeder Menge Know-how und dem großen Engagement vieler Menschen Filme, Serien, Shows und Werbe­spots machen. Voraus­setzung dafür war schon immer neben großer Flexi­bi­lität auch ein gewisser Hang zur Selbst­aus­beutung. Jetzt kommen wir – und damit meine ich nicht nur die Produ­zenten – an einen Punkt, wo auch Flexi­bi­lität nicht mehr hilft. Mit den zur Verfügung stehenden Mitteln wird es immer schwie­riger, in vernünf­tiger, guter Qualität auskömmlich zu produ­zieren, geschweige denn, Rücklagen zu bilden, um in zukunfts­trächtige Programm­ideen zu inves­tieren oder Ausfälle abzupuffern.

Bislang ist die Rechnung für Produ­zenten nicht aufge­gangen, mithilfe neuer Auswer­tungs­mög­lich­keiten wie VoD neue Einnah­me­quellen zu erschließen. Warum?
Erstens konnten die Fernseh­pro­du­zenten bisher kaum eigene Rechte ansammeln, die für eine Verwertung unver­zichtbar sind. Zweitens gibt es bei uns noch keine Platt­formen, die vom Publikum so angenommen werden, wie zum Beispiel Hulu in den USA. Legale, nutzer­freund­liche Angebote sind für uns der Schlüssel zu einer nennens­werten Wertschöpfung – und das beste Mittel gegen Inter­net­pi­ra­terie, die eine Markt­ent­wicklung derzeit natürlich massiv behindert.

Welche Bedeutung hat das Produ­zen­tenfest aus Sicht der Veran­stalter?
Die Allianz Deutscher Produ­zenten – Film & Fernsehen reprä­sen­tiert eine Industrie mit, grob geschätzt, vier Milli­arden Euro Umsatz, unsere Produk­tionen werden täglich von Millionen Menschen gesehen. Bis auf die Schau­spieler ist die Branche aber unsichtbar. Mit dem Produ­zen­tenfest zeigen wir der breiten Öffent­lichkeit, wer wir sind und dass es uns gibt. Und wir bringen die Filmleute mit denen zusammen, die im komplexen Bezie­hungsnetz von Länder- und Bundes­po­litik, Sendern, Verwal­tungen und Förde­rungen auf die eine oder andere Weise wichtig für unsere Branche sind. ak

Quelle: Blickpunkt:Film 25/2012 vom 18. Juni 2012. Online: Nachge­fragt bei Alexander Thies: „Unser Rohstoff ist Kreati­vität“