[Archiv] News bis 31.12.2021

Bettina Reitz: Abgesang auf ARD und ZDF

Vor ihrem Amtsan­tritt als Präsi­dentin der Münchner Filmhoch­schule ziehe Bettina Reitz, eine der erfolg­reichsten Frauen deutschen Fernsehens, eine kritische Bilanz, berichtet Zeit online vorab zu einem Interview. Wegen harter Sparmaß­nahmen hätten die ARD Anstalten entschei­dende Schritte in die Zukunft verpasst: „Die Jugend ist inzwi­schen längst von ameri­ka­ni­schen Angeboten ‚erzogen‘ worden – und das öffentlich-recht­liche Fernsehen hat sie verloren", habe Reitz der Wochen­zeitung gesagt: „Wo bleibt der Mut zur Größe?“ (frei zugänglich, Zeit Nr. 42, 15.10.2015, S. 54 – Feuilleton/Fernsehen; nicht online zugänglich)

Zur Vorab­medlung: Bettina Reitz: Bei der ARD agiert jeder nach seinen Inter­essen (frei zugänglich, letzte Meldung)

„Chaos als Programm“: Die Ex-Fernseh­di­rek­torin des BR, Bettina Reitz, stimme im Zeit-Interview einen „Abgesang auf ARD und ZDF“ an, schreibt Jens Twiehaus bei turi2: Sie kriti­siere vor allem klein­teilige Entschei­dungen innerhalb des ARD-Systems: „Jeder agiert nach seinen Inter­essen, es gibt keine Gesamt­stra­tegie“: Bettina Reitz rechnet mit der ARD ab (frei zugänglich)

In den acht Jahren, in denen Reitz beim Bayeri­schen Rundfunk für Spiel­filme und Serien zuständig war, „hat sich ganz offen­sichtlich eine Menge Frust angestaut – den sie aller­dings leider erst jetzt öffentlich macht“, schreibt Uwe Mantel bei DWDL.de. In dem Zeit-Interview finde sie nun sehr deutliche Worte, wenn es um die derzeitige Verfassung des öffentlich-recht­lichen Fernsehens geht. „Salopp gesagt fühlte ich mich irgendwann wie eine Art Sterbe­be­glei­terin des klassi­schen Fernsehens“, habe Reitz da etwa gesagt. Die Zukunft des Films und der Serien innerhalb des öffentlich-recht­lichen Fernsehens sehe sie jeden­falls skeptisch: Reitz: „Ich fühlte mich wie eine Art Sterbe­be­glei­terin“ (frei zugänglich)

Die Entwicklung des Fernsehens habe für Bettina Reitz, die mit Regis­seuren wie Michael Haneke, Christian Petzold und Doris Dörrie gearbeitet habe, auch Konse­quenzen für das deutsche Kino, heißt es bei Meedia.de: „Sie bedeutet, dass sich das Kino und die Serien andere Unter­stützer neben dem öffentlich-recht­lichen und dem privaten Fernsehen suchen müssen. Etwa Pay-TV und andere Anbieter wie Netflix oder Amazon“: Ex-BR-Fernseh­di­rek­torin Reitz sagt: „Die Jugend ist für das öffentlich-recht­liche Fernsehen verloren“ (frei zugänglich)

Das klassische, lineare Fernsehen sei  laut Reitz „ein Auslauf­modell“, so Spiegel online. Trotzdem sei die Situation in Deutschland anders in anderen Ländern. Bei aller Kritik gebe es hier ein „viel besseres öffentlich-recht­liches Fernsehen“ als anderswo. Es gebe einen immer größeren Spalt zwischen denen, die 50 plus sind und auf ihr Fernsehen nicht verzichten wollen, und denen, die 30 minus sind und den „Tatort“ schauen, ohne sich darum zu scheren, wer ihn produ­ziere. „Wird der Abgrund nicht überbrückt, dann wird das System ausein­an­der­brechen. Dann wird es ein Senio­ren­fern­sehen geben, namens ‚Das Erste‘ und ‚ZDF‘ – und ein digitales Angebot: „Senio­ren­fern­sehen“: Ex-Spiel­film­chefin Bettina Reitz attackiert ARD (frei zugänglich)