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BVerfG-Verhandlung über ZDF-Staatsvertrag: Pressestimmen

Vor dem Bundes­ver­fas­sungs­ge­richt habe die Verhandlung über die Klage gegen den ZDF-Staats­vertrag begonnen, schreibt Wolfgang Janisch in der Süddeut­schen Zeitung. Die Richter hätten viele Fragen zum Partei­en­klüngel gestellt. Vieles deute schon jetzt darauf hin, dass im Fernsehrat bald weniger Politiker mitreden: Zu viele Freunde (frei zugänglich)

Auf Antrag der Länder Rheinland-Pfalz und Hamburg befasse sich das Gericht mit der Frage, ob die Politik einen zu großen Einfluss in den Aufsichts­gremien des Senders hat, schreibt Sonja Álvarez im Tages­spiegel. Die Länder beklagten, dass die Staats­quoten im ZDF-Fernsehrat und im ZDF-Verwal­tungsrat mit deutlich über 40 Prozent zu hoch seien. In den ersten drei Stunden der Verhandlung habe das Gericht zu klären versucht, wie die Räte zusam­men­ge­setzt sind, wer genau über deren Besetzung befindet und wie die Beratungs- und Entschei­dungswege in den Gremien aussehen: ZDF: Verfas­sungs­richter zweifeln an Staats­ferne (frei zugänglich)

Für eine Verhandlung am Bundes­ver­fas­sungs­ge­richt sei es am Dienstag „strecken­weise recht unter­haltsam“ zugegangen, schreibt Ulrike Simon in der Berliner Zeitung. Die Verhandlung habe bis in den späten Nachmittag gedauert. Auch wenn bis zum Urteil noch Monate vergehen werden, lasse sich schon sagen: „Für verfas­sungs­gemäß halten die Karls­ruher Richter den ZDF-Staats­vertrag nicht“. Bei der Art, wie die Gremien besetzt werden, wie Fernseh- und Verwal­tungsrat arbeiten und Entschei­dungs­fin­dungen verlaufen, habe sich über die Jahre einiges einge­schlichen, was vom Gesetz­geber, der beim öffentlich-recht­lichen Rundfunk auf Staats­ferne zu achten hat, nicht vorge­sehen war: Amtsübergabe wie am Hofe (frei zugänglich)

ZDF-Intendant Thomas Bellut habe in der Verhandlung betont, dass jeden Tag „zahllose Entschei­dungen“ getroffen würde, an denen kein Gremium mitwirke – vor allem solche, die direkt das Programm beträfen, schreibt Marc Bartl bei Kress online. Eine „dauer­hafte Dissonanz mit den Gremien“ würde aller­dings die Wiederwahl des Inten­danten unmöglich machen, habe der ZDF-Chef gesagt:  ZDF wehrt sich in Karlsruhe: „Unabhän­gigkeit der Programm­ver­ant­wortung ist gewahrt“ (frei zugänglich)

Pünktlich zur Verhandlung des Bundes­ver­fas­sungs­ge­richts über die Klage gegen den ZDF-Staats­vertrag am gestrigen Dienstag hätten viele entdeckt, dass dort zu viele Politiker hocken, schreibt Michael Hanfeld in der Frank­furter Allge­meinen und findet das „wirklich süß“. Die Kläger und manche Unter­stützer des Normen­kon­troll­an­trags säßen „im Glashaus und werfen fleißig mit Steinen“. Partei­po­li­ti­schen Einfluss auf den öffentlich-recht­lichen Rundfunk gebe es nämlich nicht nur beim ZDF und auch nicht erst seit dem an die Öffent­lichkeit gedrun­genen Streit um die Vertrags­ver­län­gerung für den damaligen Chefre­dakteur Nikolaus Brender im November 2009, die seinerzeit mit einem Votum von sieben zu sieben Stimmen im Verwal­tungsrat abgelehnt worden sei: Komm in meinen Freun­des­kreis (FAZ vom 6.11., Seite 31 – Medien)

„Polit­klüngel und Partei­en­geschacher gehören zur DNA des ZDF“, schrieb der Journa­listik-Professor und frühere Grimme-Institut-Geschäfts­führer Bernd Gäbler gestern im Tages­spiegel. Dies falle nicht weiter auf, solange dieser haupt­sächlich groß-koali­tionäre Einfluss besonnen moderiert wird, es habe aber auch immer „Raufbolde“ gegeben, die einigen ZDFlern unangenehm in Erinnerung seien. Eine besonders absurde Einrichtung des ZDF sei der „Programm­aus­schuss Chefre­daktion“, ein Unter­gremium des Fernsehrats, in dem die versam­melten General­se­kretäre der Parteien „das große Wort“ führten und vor den die Chefre­dak­teure zitiert würden, um beispiels­weise ihre Wahlbe­richt­erstattung vorzu­legen. Hier seien als Kontrol­leure also jene tätig, die selber Gegen­stand der Bericht­erstattung sind. Dass da etwas grund­legend nicht stimmt, könnte dem Verfas­sungs­ge­richt auffallen. „Bei so viel politi­schem Zugriff ist es fast schon ein kleines Wunder, wie viel journa­lis­tische Resistenz es im Detail dennoch gibt“: Partei­fromm oder staatsfern? (frei zugänglich)