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Degeto: „Reduktion neuer Lizenzkäufe und Produktionsaufträge“

Mehr als 400 Millionen Euro gebe die mit Gebühren finan­zierte Firma Degeto jährlich aus, um Programm für die ARD zu beschaffen, schreibt Chris­topher Keil in der Süddeut­schen Zeitung. Jetzt ließen die Inten­danten prüfen, warum und wie der Etat für Filmpro­duk­tionen auf Jahre verplant wurde. Für die Jahre 2010 bis vermutlich 2012 habe Degeto-Geschäfts­führer Hans-Wolfgang Jurgan offenbar erheblich mehr Programm bestellt bezie­hungs­weise als Lizenz erworben, als das einem internen Mittelwert entsprach. „Hat er sich dabei über Vorgaben hinweg­ge­setzt, die ihm durch die ARD, durch den Aufsichtsrat der Degeto, gesetzt waren?“

Seit Mai sei Bettina Reitz, bis dahin Fernseh­spiel­chefin des BR und davor freie Produ­zentin, für die Inhalte der Degeto-Produk­tionen verant­wortlich, schreibt Keil weiter. Sie habe im Frühjahr gesagt, das Profil der Degeto zu verändern, den Auftrag, populäres Unter­hal­tungs­pro­gramm so zu gestalten, dass auch Menschen unter 60 Jahren angesprochen werden, sei eine Aufgabe, für die es sich lohne zu kämpfen. Inzwi­schen scheine klar zu sein, dass Reitz „kurz- und mittel­fristig kaum etwas verändern kann“. Ihr Co-Geschäfts­führer Jurgen solle die Mittel der Degeto über Jahre weitgehend gebunden haben.

„Wollte sich Jurgan, bevor Reitz in die Degeto-Geschäfts­führung einstieg, noch ausrei­chende Produk­ti­ons­zu­stän­dig­keiten sichern?“, fragt Keil. Die Aufga­ben­teilung mit Reitz sehe angeblich vor, dass Jurgan sich künftig wieder überwiegend um das Kaufmän­nische der Degeto kümmern soll. „Dass er als Geschäfts­führer gerne vor Ort war, vor Ort in Sri Lanka oder Thailand, ist auch bei Inten­danten zunehmend ein Thema gewesen.“

Dass Jurgan jetzt die Degeto-Inves­ti­tionen umfassend bilan­zieren und seine Auftrags­vergabe begründen soll, habe sich bei kreativen Partnern der Degeto bereits bemerkbar gemacht. „Nicht wenige in der deutschen und öster­rei­chi­schen TV-Branche“ seien jetzt „aufgeregt“, Degeto-Projekte, die in der Entwicklung stünden, sollen „quasi gestoppt“ sein, Degeto-Projekte, „die zum Drehstart bereit stünden, sollen auf zugesagte, fällige Raten warten“, und geplante Mehrteiler sollen „infrage“ stehen: Sonnen­un­tergang in Frankfurt (frei zugänglich; SZ vom 20.09.2011 – Medien­seite).

Die Presse­mit­teilung der ARD im Wortlaut:

ARD Degeto bedauert geringere Spielräume bei Auftragsvergabe

Die ARD Degeto hat in den Jahren 2010 und 2011 ihr Engagement sowohl im Lizenz­erwerb als auch in der Produktion inten­si­viert. Sie verfügt aktuell dadurch über ein Programm­vor­rats­vo­lumen für die Jahre 2012 und 2013, das angesichts perspek­ti­visch verrin­gerter finan­zi­eller Rahmen­vor­gaben und der Übernahme zusätz­licher Aufgaben zunächst im Programm ausge­strahlt werden soll. Aus dem erhöhten Programm­vor­rats­vo­lumen für die Jahre 2012 und 2013 ergibt sich zwangs­läufig eine Reduktion neuer Lizenz­käufe und Produk­ti­ons­auf­träge. Die Geschäfts­führung der ARD Degeto bedauert, dass die Produ­zenten in naher Zukunft mit einem Produk­ti­ons­rückgang rechnen müssen. Ab 2014 hofft man auf einen Anstieg der Produk­ti­ons­auf­träge. Die ARD Degeto bittet um Verständnis, dass sie im sorgsamen Umgang mit Gebüh­ren­geldern verpflichtet ist, zunächst vorrangig ihren Programm­vorrat einzu­bringen, bevor wieder verstärkt Aufträge in den Markt vergeben werden können.