Berlin, 27. Mai 2026 – Nach vielen Jahren der filmpo­li­ti­schen Reform-Diskussion ist es nun endlich soweit: Das Medien­dienste-Inves­ti­ti­ons­ver­pflich­tungs­gesetz wurde heute durch das Bundes­ka­binett beschlossen. Die gute Nachricht: Damit können nun endlich auch die insgesamt 250 Millionen Euro zur Filmför­derung durch das Bundes­fi­nanz­mi­nis­terium freige­geben werden. Aller­dings bleibt bis zur Verab­schiedung im Parlament noch die Notwen­digkeit zur Nachbes­serung. Denn: Die deutsche Produk­ti­ons­branche hatte gehofft, dass Kultur­staats­mi­nister Wolfram Weimer den Geist der mittel­stän­di­schen Unter­nehmen in der Filmwirt­schaft erkennt und stärkt. Die aktuellen Umset­zungs-Pläne drohen nun jedoch, das Gegenteil zu bewirken. Der politische Kompromiss von CDU/CSU und SPD sollte nicht konter­ka­riert werden.

Für uns ist klar: Deutsche Produk­ti­ons­un­ter­nehmen dürfen nicht zu reinen Auftrag­nehmern werden, sie brauchen nicht mehr, sondern weniger Abhän­gigkeit. Gerade in einer Phase des weltweiten Umbruchs braucht es die Rahmen­be­din­gungen zur Stärkung der wirtschaft­lichen und kreativen Souve­rä­nität. Dies haben Produk­ti­ons­al­lianz, AG DOK, Deutsche Filmaka­demie und PROG Producers of Germany in einer gemein­samen Stellung­nahme gegenüber dem Bundes­be­auf­tragten für Kultur und Medien Wolfram Weimer deutlich gemacht und für die zur Umsetzung der film- und medien­po­li­ti­schen Ziele deutliche Korrek­turen gefordert.

In der Stellung­nahme heißt es u.a.: „Produk­ti­ons­al­lianz, AG DOK, PROG und Deutsche Filmaka­demie begrüßen ausdrücklich das Ziel des Medien­In­vestVG, die Inves­ti­tionen in europäische audio­vi­suelle Werke nachhaltig zu erhöhen und den Produk­ti­ons­standort Deutschland im inter­na­tio­nalen Wettbewerb wettbe­werbs­fähig aufzu­stellen. Positiv ist, dass das Gesetz die Stellung unabhän­giger Hersteller, den Aufbau eigener Rechte­ka­taloge und hierdurch das inlän­disch geschaffene geistige Eigentum als wesent­lichen Rohstoff für Stabi­lität und Wachstum stärken soll. Damit zielt das Medien­In­vestVG darauf ab, bestehende, struk­tu­relle Missstände zu besei­tigen und die Grundlage für langfristige Wertschöpfung, Innovation und nachhaltige Beschäf­tigung in der deutschen Film- und Serien­wirt­schaft zu schaffen. Aller­dings würde der vorlie­gende Referen­ten­entwurf in der derzei­tigen Ausge­staltung die gewünschte Wirkung noch nicht entfalten.“

Proble­ma­tisch ist: Die vorge­sehene Inves­ti­ti­ons­quote von 8 Prozent liegt bereits heute unter dem Niveau vergleich­barer großer europäi­scher Märkte. Selbst die 12-Prozent-Opt-Out-Regelung bleibt unter dem europäi­schen Durch­schnitt von 13 bis 15 Prozent. Für den wichtigsten europäi­schen Absatz­markt inter­na­tio­naler Strea­ming­platt­formen ist das ein erstaunlich ambiti­ons­loses Signal.

Dazu erklären:

Michelle Münte­fering, CEO und Sprecherin des Gesamt­vor­stands der Produk­ti­ons­al­lianz:

„Ein gutes Signal muss nun auch ein gutes Gesetz werden, das braucht noch Änderungen. Die Finan­zierung und wirtschaft­liche Absicherung audio­vi­su­eller Werke ist eine zentrale Aufgabe der Produ­zen­tinnen und Produ­zenten. Von der Entwicklung bis zur Fertig­stellung schultern sie enorme finan­zielle Risiken und übernehmen die gesamte unter­neh­me­rische Verant­wortung einer Produktion. Dazu gehört auch die Beantragung und ordnungs­gemäße Verwendung von Förder­geldern. Öffent­liche Förder­mittel aus Bund-, Länder- oder inter­na­tio­nalen Förder­sys­temen müssen daher konse­quen­ter­weise dem Finan­zie­rungs­anteil der Hersteller zugerechnet werden.“

Susanne Binninger, Ko-Vorsit­zende der AG DOK:

„Mit dem Inves­ti­ti­ons­ver­pflich­tungs­gesetz und den neuen Richt­linien der Anreiz­för­derung geht die Filmfi­nan­zie­rungs­reform in ihre letzte Runde. Nun ist es vor allem wichtig, das Inein­an­der­greifen der einzelnen Elemente der Reform klug abzustimmen, um sicher­zu­stellen, dass die Neuerungen allen Gattungen und Budget­höhen der Film- und Strea­ming/TV-Industrie zugute­kommen und einen breiten Aufschwung des deutschen Filmschaffens in wirtschaft­licher und kreativer Hinsicht ermög­lichen.“

Martin Heisler, Vorstands­vor­sit­zender der Deutschen Filmaka­demie:

„Der vorlie­gende Entwurf ist ein wichtiger und überfäl­liger Schritt, um den Produk­ti­ons­standort Deutschland und damit die Arbeit unserer Filmschaf­fenden im inter­na­tio­nalen Wettbewerb zu stärken. Entscheidend wird jetzt sein, dass das Gesetz dort nachge­schärft wird, wo nachhaltige Wertschöpfung entsteht: beim Rechte­rück­behalt unabhän­giger Produzent:innen und bei fairen Inves­ti­ti­ons­be­din­gungen.“

Tanja Georgieva-Waldhauer, Mitglied des Vorstands von PROG Producers of Germany:

„Das Gesetz sollte den Kinospielfilm und die unabhän­gigen Produzent*innen stärken. Diese inhaber*innengeführten Unter­nehmen gewähr­leisten seit Jahrzehnten nachhaltige wirtschaft­liche Zusam­men­arbeit mit tausenden deutschen Filmschaf­fenden und Dienst­leistern. Sie sichern Arbeits­plätze, stärken dauerhaft den deutschen Mittel­stand und tragen mutige Stoffe und gesell­schaftlich relevante Themen auf die inter­na­tio­nalen Filmfes­tivals und Märkte. Genau diese unter­neh­me­rische und filmische Vielfalt muss gestärkt werden, dazu bedarf es deutlicher Nachbes­se­rungen im vorge­legten Entwurf.“

Für Nachfragen stehen wir gern zur Verfügung.

Presse­kon­takte:

Produk­ti­ons­al­lianz

Die Produk­ti­ons­al­lianz ist die unabhängige Inter­es­sen­ver­tretung der deutschen Produ­zen­tinnen und Produ­zenten von Film-, Fernseh- und anderen audio­vi­su­ellen Medien. Sie reprä­sen­tiert mit rund 375 Mitgliedern aus den Bereichen Animation, Dokumen­tation, Enter­tainment, Fernsehen, Kino und Werbung die wichtigsten Produk­ti­ons­un­ter­nehmen und ist damit die maßgeb­liche Produ­zen­ten­ver­tretung in Deutschland. Im natio­nalen und inter­na­tio­nalen Rahmen tritt die Produk­ti­ons­al­lianz gegenüber Politik, Verwertern, Tarif­partnern und allen Körper­schaften der Medien- und Kultur­wirt­schaft für die Belange der Produk­ti­ons­un­ter­nehmen ein.

Kontakt: Juliane Werlitz | juliane.werlitz@produktionsallianz.dewww.produktionsallianz.de

Arbeits­ge­mein­schaft Dokumen­tarfilm (AG DOK)

Die AG DOK ist die film- und medien­po­li­tische Inter­es­sen­ver­tretung für das dokumen­ta­rische Genre in Deutschland und vertritt aktuell 1.000 Dokumen­tar­film­schaf­fende, die sich im AG DOK-Netzwerk und den beiden Sektionen Produktion und Buch & Regie organi­sieren, um die dokumen­ta­rische Filmkultur nachhaltig zu stärken. Unsere Mitglieder eint die Überzeugung, dass dem dokumen­ta­ri­schen Genre in all seinen Formen von der journa­lis­ti­schen Kurz-reportage bis zum künst­le­ri­schen Kino-Dokumen­tarfilm eine wichtige Rolle bei der Stärkung der Meinungs­vielfalt und der Vertei­digung demokra­ti­scher Prozesse zufällt.

Kontakt: Susanne Binninger | binninger@agdok.de | www.agdok.de

Deutsche Filmaka­demie

Die Deutsche Filmaka­demie mit Sitz in Berlin wurde am 8. September 2003 gegründet und vereint inzwi­schen über 2300 Mitglieder aus allen künst­le­ri­schen Sparten des deutschen Films. Wir sind mit der Durch­führung des Deutschen Filmpreises betraut, sind Veran­stalter des Nachwuchs­preises FIRST STEPS, fördern im Rahmen unserer Bildungs­pro­gramme die Ausein­an­der­setzung mit Film als Kunstform im schuli­schen und außer­schu­li­schen Kontext, sind Initia­toren der Veran­stal­tungs­reihe Mein Film, den Werkstatt­ge­sprächen, des Podcasts Close Up und vielen weiteren Aktivi­täten, die den Austausch und die Diskussion um das Filmschaffen in Deutschland und Europa unter künst­le­ri­schen, wie ökono­mi­schen Gesichts­punkten fördern. Die Deutsche Filmaka­demie – das zentrale Forum für Filmschaf­fende in Deutschland – ist ein unabhän­giger, gemein­nüt­ziger Verein, der sich ausschließlich durch Mitglieds­bei­träge und Spenden finan­ziert. Nachwuchs­för­derung und gesell­schafts- und filmpo­li­ti­sches Engagement spielen bei unseren Satzungs­zielen eine große Rolle.

Kontakt: Anne Leppin | leppin@deutsche-filmakademie.de | www.deutsche-filmakademie.de

PROG Producers of Germany

PROG Producers of Germany e.V. ist ein kreatives, wirtschaft­liches und innova­tives Netzwerk. Mit über 150 Mitgliedern und einer starken Nachwuchs­sektion ist PROG die maßgeb­liche Vertretung der unabhän­gigen Kino-, Streaming- und Fernsehproduzent*innen in Deutschland. Der Verband bündelt und artiku­liert die film- und markt­po­li­ti­schen Inter­essen seiner Mitglieder, ist Sprachrohr und Vermittler gegenüber Förderern, Sendern, den natio­nalen und inter­na­tio­nalen Branchen­ver­bänden sowie der europäi­schen, natio­nalen, regio­nalen Politik. PROG infor­miert regel­mäßig über technische Neuerungen.

Kontakt: Julia Maier-Hauff | jmh@prog.film | www.prog.film

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Juliane Werlitz
Pressesprecherin, Leitung Kommunikation
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