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Ministerpräsidenten-Entscheidung zum Jugendkanal: „Schlimmer geht’s nicht mehr“

Die Entscheidung der Regie­rungs­chefs der Länder, den öffentlich-recht­lichen Jugend­kanal nur über das Internet zugänglich zu machen, zeige, „wie sehr die Medien­po­litik noch im analogen Kästchen­denken befangen ist“, schreibt Diemut Roether in epd Medien: hier Online, da Fernsehen, und Radio sei sowieso nicht so wichtig. Für ARD und ZDF bedeute die Entscheidung, dass das Konzept, an dem sie in den vergangen zwei Jahren gearbeitet haben, Makulatur sie – „und mit ihm auch alle Syner­gie­ef­fekte, die man sich durch die Verzahnung von Online, Fernsehen und Radio erhofft hatte. Die ganzen Studien, die die Minis­ter­prä­si­denten zur Medien­nutzung Jugend­licher in den vergan­genen Monaten angefordert hätten und die belegten, dass das Fernsehen auch bei Jugend­lichen immer noch das Leitmedium ist, hätten sie „geflis­sentlich ignoriert“.

ARD-intern sei „von einem Danaer-Geschenk der Minis­ter­prä­si­denten“ die Rede, so Roether weiter: Bei einer Web-only-Nutzung gebe es Probleme mit Musik- und Sende­rechten, so Roether weiter. Und anders als bei den Verbrei­tungs­kosten für Fernsehen und Radio gelte für Inter­net­an­gebote, dass die Streaming-Kosten mit zuneh­mender Nutzung stiegen. „Das Jugend­an­gebot darf gar nicht erfolg­reich sein, sonst können es ARD und ZDF nämlich irgendwann nicht mehr bezahlen: Durch die Online-Brille (epd Medien Nr. 43, 24.10.2014)

„Schlimmer geht’s nicht mehr“, schreibt Dietrich Leder in der Funkkor­re­spondenz: Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass Medien­po­litik in Deutschland eine Farce ist es, dann hat ihn die Entscheidung der Minis­ter­prä­si­denten zum neuen Jugend­an­gebot von ARD und ZDF frei Haus geliefert.“ Dass aus „einer solchen Gemengelage aus Stand­ort­in­teresse des SWR, takti­schen Winkel­zügen der anderen ARD-Anstalten und der eher peinlichen Selbst­ver­pflichtung des in Mainz residie­renden ZDF, rheinland-pfälzi­scher Politik äußerst selten zu wider­sprechen, ein irgendwie überzeu­gendes Konzept erwachsen würde“, habe sich kaum jemand vorstellen können: Medien­po­litik als Farce (frei zugänglich)

Unter­dessen meldet die Süddeutsche Zeitung, das Budget des öffentlich-recht­lichen Jugend­an­gebots im Internet falle „womöglich“ kleiner aus als erwartet. „Das ursprüng­liche Konzept muss überar­beitet werden, weil der Auftrag, den die Minis­ter­prä­si­denten den Anstalten jetzt erteilt haben, ein anderer ist“, habe der ARD-Vorsit­zende Lutz Marmor gesagt. Es sei nicht auszu­schließen, dass sich mit dem neuen Konzept auch das avisierte Budget verringere: Geschröpfte Jugend (SZ vom 24.10.2014, S. 47 – Medien)