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Öffentlich-rechtlicher Jugendkanal: „Auf erschreckende Weise systemkonform“

In einem ausführ­lichen Artikel zum Thema öffentlich-recht­licher Jugend­kanal schreibt Claudia Tieschky in der Süddeut­schen Zeitung: „Das meiste, was im Fernsehen kommt, im öffentlich-recht­lichen vor allem, ist nicht richtig schlecht. Es ist mittel­mäßig, anfor­de­rungsarm, im Gefühls­spektrum unauf­fällig. Das Mittelmaß als Prinzip der Mehrheit, wie es das Fernsehen vorführt, ist vor allem eines: beruhigend.“ Dieses Fernsehen sei wie gemacht für Zuschauer, die vom Lebens­alter her in einer existenz­sta­bi­li­sie­renden bürger­lichen Lange­weile geankert haben – „also ungefähr in jenem Zustand, den man, wenn man noch nicht 25 ist, zum Heulen findet“.

Der Plan vom Spezi­al­kanal für die Jugend, so Tieschky weiter, sei „auf erschre­ckende Weise system­konform“. Das Versagen beim jungen Publikum werde zwar von Inten­danten oft zum Anliegen erklärt, das das eigent­liche Problem der Öffentlich-Recht­lichen löse ein Jugend­kanal aber nicht im Geringsten. Das Problem sei „nur dem Symptom nach“ der gern zitierte Genera­tio­nen­abriss, das Fernbleiben junger Zuschauer. In Wirklichkeit sei das Problem dasselbe, das auch die Verschiebung von Kultur in die Nacht­stunden und die ARD-Dauer­talks verur­sacht hat: „Masse ist Masse, und die Minderheit kann schauen, wo sie bleibt.“ Die Jugend sei nur der Testfall für ein Modell, das sich zwar auf einen gesetz­lichen Auftrag stützt, dessen Verant­wort­liche aber irgendwie keine Lust haben, etwas wichtiger zu nehmen als das Argument Masse:  Am Kinder­tischchen (SZ vom 09.10.2014, S. 29 – Medien)