[Archiv] News bis 31.12.2021

Product Placement: „Es gibt zunehmend Beispiele, wo es funktioniert“

Die Süddeutsche Zeitung bringt ein Interview mit Oliver Castendyk, Leiter der Sektion Enter­tainment und Wissen­schaft­licher Direktor der Produ­zen­ten­al­lianz, über TV-Sponsoring und erlaubtes Placement. Darin sagt Castendyk, dass mit der seit fast einem Jahr für Unter­haltung, Film und Serien zuläs­sigen Werbeform Product Placement bisher weniger Geschäft gemacht worden sei, als man vorher dachte. „Aber es gibt zunehmend Beispiele, wo es funktio­niert. Wobei das Bild auf dem deutschen Markt im Moment nicht einheitlich ist. Einige Sender scheinen sich nur dann auf Product Placement einzu­lassen, wenn es eine mittlere fünfstellige Summe pro Placement bringt.“

Beim Umgang mit Product Placement seien alle Verant­wort­lichen in den Unter­nehmen vorsichtig geworden: Wenn eine Produkt­plat­zierung nicht hundert­pro­zentig sauber sei, „sind die Kolla­te­ral­schäden sehr schlimm“, so Castendyk weiter. Klassi­sches Product Placement – „ein Fahrzeug oder ein Softdrink werden unauf­dringlich dort integriert, wo es ohnehin in der Realität zu sehen ist“ müsse gekenn­zeichnet werden, es dürfe nicht werblich hervor­ge­hoben werden, bestimmte Genres wie Kinder­sen­dungen seien von der Erlaubnis ausge­nommen. „Product Placement rutscht in der Öffent­lichkeit aller­dings schnell in den falschen Hals, es gibt eine latente Neigung zu Hysterie bei diesem Thema.“

Zum Angebot von Pro-Sieben-Sat-1-Fernseh­vor­stand Andreas Bartl, Produ­zenten mit 22 Prozent an den Placement-Erlösen zu betei­ligen, sagt Castendyk: „Sender der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe gehen den Weg einer fairen Partner­schaft und betei­ligen die Produ­zenten mit festen Prozent­sätzen an den realen Brutto­er­lösen, die durch Place­ments in einem Projekt reinkommen. Andere entlohnen sie mit einer Pauschale dafür, dass sie die neue Werbeform umsetzten. Und manche Sender geben dem Produ­zenten nichts, nach dem Motto: ‚Sei zufrieden, dass du den Auftrag bekommst.‘

Auf die Frage, ob die in der Produ­zen­ten­al­lianz vertre­tenen öffentlich-recht­lichen Produk­ti­ons­töchter wie ZDF Enter­prises der Inter­es­sen­ver­tretung gegenüber den Sendern schade, sagt Castendyk: „Die Bavaria oder Studio Hamburg sind mit ihren verschie­denen Unter­nehmen schon länger Mitglieder. In den Verhand­lungen mit ARD/ZDF haben sie uns nicht geschwächt. Geschäfts­führer öffentlich-recht­licher Produk­ti­ons­töchter müssen einen Sinn für wirtschaft­liche Reali­täten haben, sonst sind sie nicht erfolg­reich. Damit sind sie auf Seiten der Produ­zenten.“ – „Eine Neigung zur Hysterie“ (SZ vom 18.03.2011, S. 17 – Medien­seite)